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Union Investment bleibt bei neutraler Risikoausrichtung

Carry-Position ausgebaut

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Das konjunkturelle Umfeld hat sich bislang nicht aufgehellt und auch das Thema Handelskonflikt rückt wieder stärker in den Fokus – zuletzt durch die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, ab September die Zölle in Höhe von 10 Prozent auf bisher nicht betroffene Importe aus China zu erheben. Wie die Notenbanken agieren und wie sich Union Investment in diesem Marktumfeld positioniert, erfahren Sie von Benjardin Gärtner, Leiter Aktienfondsmanagement.

Risikoausrichtung auf RoRo-Meter Stufe 3 bestätigt

RoRo-Meter 3

Im Rahmen der regulären Juli-Sitzung hat das Union Investment Committee (UIC) seine generell neutrale Positionierung beibehalten und die Risikoausrichtung auf RoRo-Meter 3 bestätigt. Das Musterportfolio bleibt neutral aufgestellt, aber die Ausrichtung wurde angepasst. Hintergrund sind einerseits die Entscheidungen der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) und der Europäischen Zentralbank (EZB). Andererseits hat sich das konjunkturelle Umfeld bislang nicht aufgehellt und auch das Thema Handelskonflikt rückt wieder stärker in den Fokus.

So hat US-Präsident Trump jüngst die Einführung von Zöllen in Höhe von zehn Prozent auf bislang nicht betroffene Importe aus China im Volumen von 300 Milliarden US-Dollar ab dem 1. September angekündigt. Die Schlussfolgerung liegt nahe, dass sich die USA und China in der Handelsdebatte nicht näher gekommen sind. Dieser Schritt kam zum jetzigen Zeitpunkt überraschend. Eine Gegenreaktion Pekings ist zu erwarten.

Konjunkturelles Umfeld bleibt schwach

Eine Erholung des konjunkturellen Umfeldes lässt weiter auf sich warten. Sowohl externe als auch unsere internen Frühindikatoren haben ihre Schwächephase noch nicht beendet und in vielen Fällen die Erwartungen erneut verfehlt. Für das laufende Jahr hat Union Investment die Wachstumsprognosen erneut leicht nach unten revidiert. Für die USA rechnen wir mit einem Anstieg der Wirtschaftstätigkeit um 2,4 Prozent, im Euroraum um 1,0 Prozent. Deutschland leidet als exportorientierte Volkswirtschaft besonders stark unter der Verlangsamung des Welthandels, sodass das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2019 gerade noch um 0,6 Prozent zulegen sollte.

Union Investment schätzt die Wachstumsperspektiven weltweit damit weiterhin als schwach ein. Jedoch erwarten wir keine Rezession, solange der Handelskonflikt nicht zu einem Handelskrieg eskaliert. Die jüngst beschlossenen geldpolitischen Stimuli dürften der Konjunktur perspektivisch Impulse verleihen.

Geldpolitik: Zurück zum Lockerungsmodus

Wie erwartet hat die Fed am 31. Juli ihr Leitzinsband um 25 Basispunkte auf 2,0 bis 2,25 Prozent gesenkt. Zusätzlich hat sie ebenfalls ihren Bilanzanpassungsprozess vorzeitig beendet und damit implizit einen weiteren Lockerungsschritt vorgenommen. Entgegen der bisherigen Markterwartung hat die Fed mit einem nächsten Zinsschritt jedoch keine Eile, sodass dieser frühestens Ende des Jahres beschlossen werden dürfte.

Erwartungsgemäß hat die EZB ihre Zinssätze im Juli nicht verändert, aber ein umfangreiches Lockerungspaket für September angekündigt. Zum einen soll ein Staffelzinssystem (Tiering) erarbeitet werden, das eine größere Zinssenkung mit möglichst geringen Auswirkungen auf den Bankensektor ermöglicht. Zum anderen wird die Neuauflage eines Wertpapierkaufprogramms vorbereitet. Union Investment erwartet im September eine Zinssenkung um 25 Basispunkte, die Einführung des Tiering-Systems sowie die Ankündigung neuer Wertpapierkäufe von monatlich 30 Milliarden Euro ab Anfang 2020. Falls die Zinssenkung der Fed zu einer Schwäche des US-Dollars führen sollte, rechnen wir mit einer erneuten Senkung aller drei EZB-Leitzinsen um weitere zehn Basispunkte im Dezember.

Charts des Monats: Welthandel schwächt sich ab; Unternehmensanleihen dürften von EZB profitieren

Frühindikatoren für den Welthandel / Asset Swap-Spreads
Frühindikatoren für den Welthandel / Asset Swap-Spreads
Quelle: Macrobond; Bloomberg; Stand: 1. August 2019

Asset-Klassen: Industrieländeraktien reduziert, bei Renten Fokus auf Spread-Produkten verstärkt

 

Fokus auf Carry weiter verstärkt

Mit den geldpolitischen Maßnahmen wird das Niedrigzinsumfeld auf einem noch tieferen Niveau zementiert. Damit bleibt das Umfeld für Rentenanlagen grundsätzlich positiv. Die Renditen sicherer Staatsanleihen wie Bundesanleihen oder US-Treasuries sind in den vergangenen Wochen deutlich gesunken und dürften diesen Trend noch leicht fortsetzen. Die Spread-Segmente dürften ebenfalls gefragt bleiben, einerseits getrieben durch die Suche nach Rendite und anderseits durch die geplante Neuauflage des Anleiheankaufprogramms der EZB. Dennoch gilt es, im aktuellen Konjunkturumfeld stärker auf die Einzelnamen zu achten. Staatsanleihen aus den Schwellenländern sind unter anderem durch die niedrigen Realrenditen gut unterstützt. Das UIC hält daher an seinem Übergewicht in Hartwährungsanleihen aus den Emerging Markets fest. Das Übergewicht in Investment Grade-Unternehmensanleihen wird aufgrund der zusätzlichen Unterstützung durch die EZB weiter ausgebaut. Im Gegenzug werden Covered Bonds auf dem aktuell niedrigen Rendite- und Spread-Niveau erneut reduziert.

Industrieländer-Titel untergewichtet 

Trumps neue Zollankündigung hat den Handelsstreit wieder in den Fokus rücken lassen. Die ab September geltenden Zöllen erstrecken sich nun auch auf Konsumgüter. Die Auswirkungen sind damit größer als bisher. Nun dürften auch die Gewinnerwartungen in größerem Ausmaß betroffen sein. Mit Blick auf den anstehenden US-Wahlkampf geht das UIC davon aus, dass das Thema Handelsstreit im Fokus bleiben und weiter zu Unsicherheit an den Märkten führen wird. Vor diesem Hintergrund hat das Gremium entschieden, sich bei Aktien der Industrieländer vorsichtiger aufzustellen. Auch EM-Aktien werden durch den Handelsstreit in Mitleidenschaft gezogen. Allerdings wirkt der deutlich abgewertete Renminbi hier noch unterstützend. Deswegen bleibt das UIC bei EM-Aktien weiter neutral positioniert.

Rohstoffe bleiben neutral gewichtet

Der Ölmarkt dürfte sich im Jahr 2020 in einem Angebotsüberschuss befinden, was die Preise belasten dürfte. Bei den Industriemetallen stabilisieren sich die Lagerbestände auf niedrigem Niveau, für Blei und Zink wird ab dem Jahr 2020 eine Überversorgung erwartet. Noch immer hoffen die Marktteilnehmer auf Impulse von chinesischen Infrastrukturmaßnahmen. Der Goldpreis hat in den vergangenen Wochen von den fallenden US-Realzinsen profitiert. Die Investoren haben massiv Positionen aufgebaut. Das UIC hält das Potenzial jedoch für weitgehend ausgereizt. Das Gremium bleibt bei Rohstoffen neutral gewichtet.

Long US-Dollar gegenüber EM-Währungen

Da die Fed die Erwartungen enttäuschte, hat der US-Dollar stark aufgewertet. Das UIC geht davon aus, dass die US-Notenbank die Hoffnung auf weitere Zinssenkungen dämpfen wird. So dürfte die Dollar-Stärke Bestand haben. Im Gegenzug lasten die konjunkturelle Schwäche sowie der erneut eskalierende Handelsstreit auf den Währungen der Emerging Markets. Für einen starken Dollar spricht darüber hinaus, dass die EZB im weiteren Jahresverlauf expansiver agieren sollte als die Fed.

Aufwärtstrend bei Wandelanleihen setzt sich fort

Durch die positive Entwicklung der Aktienmärkte ist auch der Wandelanleihemarkt in den vergangenen vier Wochen weiter gestiegen. Insgesamt weist er mit einer Aktiensensitivität von knapp 46 Prozent weiterhin eine hohe Konvexität auf. Saisonal bedingt gab es insgesamt nur wenige Neuemissionen. Diese kamen hauptsächlich aus den USA und wurden vom Markt gut aufgenommen.

Unsere Positionierung

Positionierung 2. August 2019
Stand: 2. August 2019

Stand aller Informationen und Darstellungen:
2. August 2019, soweit nicht anders angegeben.

Neues von den Märkten

Neues von den Märkten: August

Erhalten Sie im Monatsbericht "Neues von den Märkten" einen umfangreichen Rück- und Ausblick auf relevante Asset-Klassen. Ergänzt wird der Monatsbericht durch aktuelle Kapitalmarktprognosen. (Stand: 7. August 2019)