_Kapitalmarkt_1200x675px

Wir arbeiten für Ihr Investment

Neues von den Märkten

Neues von den Märkten: Juni

Erhalten Sie im Monatsbericht "Neues von den Märkten" einen umfangreichen Rück- und Ausblick auf relevante Asset-Klassen. Ergänzt wird der Monatsbericht durch aktuelle Kapitalmarktprognosen.

Union Investment mit neutraler Risiko-Ausrichtung

Positionierung neutral, RoRo-Meter nun auf 3

RoRo-Meter 4 auf 3

Insgesamt ist das globale Wachstumsbild weiter intakt. Die Stabilisierungstendenzen bei den Frühindikatoren setzen sich fort, vor allem die US-Konjunktur zeigt sich robust. Zudem steigen auf Unternehmensseite die Gewinne weiter an. Dennoch sind in den letzten Wochen wieder stärker (geo-)politische Risiken in den Fokus der Marktteilnehmer gerückt. Die Unstimmigkeiten um einen Gipfel zwischen Nordkorea und den USA, der Ausstieg der USA aus dem Iran-Atomabkommen und insbesondere die politische Entwicklung in Italien belasten die Stimmung. In Summe hat sich das Union Investment Committee (UIC) im Rahmen seiner regulären Sitzung am 28. und 29. Mai dazu entschieden, in den nächsten Wochen mit einer gewissen Vorsicht vorzugehen. Die Risikoausrichtung wurde auf eine mittlere Position zurückgenommen (RoRo-Meter von Stufe 4 auf Stufe 3), die Aktienquote auf eine neutrale Gewichtung reduziert.

Politische Risiken überlagern positives Makroumfeld

Es ist noch nicht allzu lange her, dass der Kapitalmarkt gerade auch auf die Eurozone entspannt blickte. Das lag zum einen an der inzwischen wieder sehr beachtlichen wirtschaftlichen Dynamik, zum anderen daran, dass in 2017 verschiedene Wahlen entweder positiv (Frankreich) oder zumindest glimpflich (Deutschland) ausgingen. Selbst dass die Wahlen in Italien im März 2018 unklare Mehrheitsverhältnisse und ein relativ hohes Gewicht populistischer Parteien hervorbrachten, sorgte zunächst nicht für Nervosität. Aktuell geraten allerdings vor allem die europäischen Renten- und Aktienmärkte stärker unter Druck.

Aller Voraussicht nach wird die Europäische Zentralbank (EZB) ihr Ankaufprogramm für Wertpapiere beenden. Es wäre politisch nicht begründbar, in diesem Punkt vom kommunizierten Fahrplan abzuweichen, nur weil in einem einzelnen Land wie Italien die politischen Verhältnisse den Rentenmarkt in Mitleidenschaft ziehen.

Dies könnte einer der Gründe sein, warum die Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen der Eurozone (Investmentgrade) in den letzten Monaten bereits beachtlich gestiegen sind. Die EZB wird aber nicht nur keine neuen Unternehmensanleihen, sondern vor allem auch keine zusätzlichen Staatsanleihen mehr kaufen. Daraus wiederum könnte sich ein unglückliches Zusammentreffen mit den unklaren politischen Verhältnissen in Italien ergeben. Dort läuft alles auf Neuwahlen im September hinaus, allerdings mit der Aussicht, dass das Gewicht populistischer Parteien eher noch weiter wächst. Folglich sind bei italienischen Anleihen (Anstieg des Spreads bei 10-jährigen Staatsanleihen um über 150 Basispunkte seit Anfang Mai), aber auch bei Papieren anderer Peripherieländer, die Risikoaufschläge deutlich gestiegen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe ist innerhalb kürzester Zeit von 0,65 Prozent auf unter 0,3 Prozent gesunken.

Der zuletzt gestiegene Ölpreis könnte das robuste Makroumfeld leicht belasten. Insbesondere für private Haushalte dürfte dieser einen Kaufkraftentzug mit sich bringen und insofern leicht konsumdämpfend wirken.

Auch wenn ein höherer Ölpreis für sich genommen auf die Headline-Inflation leicht positiv wirkt, sieht es insgesamt nicht danach aus, als würden die Inflationsraten einen dynamischen Aufwärtstrend einschlagen. Dies gilt vor allem für die Eurozone und ist wohl ein Grund dafür, dass der Markt erste Zinserhöhungen der EZB in der zeitlichen Erwartung eher nach hinten schiebt.

Update vom 4.6.2018 nach erfolgreicher Regierungsbildung in Italien

Die nun doch noch erfolgreiche Regierungsbildung in Italien hat für eine gewisse Stabilisierung an den europäischen Rentenmärkten gesorgt. 10jährige italienische Staatsanleihen etwa notieren aktuell bei einer Rendite von etwa 2,5 Prozent – nachdem sie im Verlauf der letzten Woche zwischenzeitlich Werte von deutlich über 3 Prozent erreicht hatten. Umgekehrt ist die Rendite 10jähriger Bundesanleihen („sicherer Hafen“) von temporär nur noch 0,22 Prozent (29.5.) wieder auf 0,4 Prozent gestiegen. Auch die Risikoaufschläge spanischer und portugiesischer Staatsanleihen haben sich wieder deutlich zurückgebildet.

Das UIC hatte das jetzt eingetretene Szenario, dass die Parteien Lega Nord und Cinque Stelle mit einem - anders als im ersten Anlauf - gemäßigten Finanz- und Wirtschaftsminister von Staatspräsident Matarella doch noch grünes Licht für die Regierungsbildung erhalten könnten und damit der Wille der Mehrheit der Wähler zum Zuge kommt statt einer „Technokratenregierung“, durchaus für möglich gehalten. Vor dem Hintergrund der aufgeheizten politischen Stimmung Anfang letzter Woche war dies allerdings nicht das Basisszenario. Das Hauptszenario waren Neuwahlen im Herbst, was über den Sommer mutmaßlich erneut Wahlkampf-„Getöse“ und viele mediale Diskussionen über die populistischen, europakritischen Positionen der beiden Parteien nach sich gezogen hätte. Die Verunsicherung an den Kapitalmärkten, vor allem am europäischen Rentenmarkt, hätte entsprechend groß sein können. Von der nun gebildeten Regierung wird eher erwartet, dass sie vergleichsweise (!) gedämpftere Töne anschlagen wird.

Das UIC hat die neuerliche Entwicklung zum Anlass genommen, dort, wo Anfang letzter Woche explizit „risk-off“-Positionen eingegangen wurden, Anpassungen in Richtung der jeweils neutralen Gewichtung vorzunehmen. Das betrifft die bisherigen Untergewichte bei Peripherieanleihen sowie Unternehmensanleihen (Investment und High Grade), sowie ferner die Position Euro short gegen Yen long, die geschlossen wurde. Bei Staatsanleihen der Eurokernzone erfolgte eine Anpassung von neutral auf ein leichtes Untergewicht (-2,5 Prozentpunkte), da eine Rückkehr der Renditeniveaus in Richtung der Levels von Mitte Mai (bei 10jährigen Bunds etwa 0,6 Prozent) wahrscheinlich ist.

Wichtig: Auch wenn es besser ist in Italien eine (gewählte) Regierung zu haben als einen Sommerwahlkampf, ändert dies nichts an den strukturellen Problemen des Landes und daran, dass dort jetzt Populisten an der Macht sind. Weniger Aufregung als vergangene Woche heißt nicht, dass man nunmehr entspannt nach Süden blicken kann – Lega Nord und C5 werden in den kommenden Monaten und ggf. Jahren immer wieder für Schlagzeilen sorgen. Die Experten im Rentenfondsmanagement gehen deshalb auch nicht davon aus, dass sich die Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen auf das Niveau von vor Mitte Mai zurückbilden werden, ein Teil der politischen Zusatzprämie wird bleiben.

Charts des Monats: Risikoaufschläge deutlich gestiegen; Erfreuliches Gewinnwachstum bei US-Unternehmen

Entwicklung der Risikoaufschläge italienischer Staatsanleihen zu Bundesanleihen sowie Gewinnwachstum von US-Unternehmen
Entwicklung der Risikoaufschläge italienischer Staatsanleihen zu Bundesanleihen sowie Gewinnwachstum von US-Unternehmen

Quelle: Union Investment; Thomson Reuters Datastream, IBES; Stand: 29. Mai 2018.

Carry reduziert – „sichere Häfen“ ausgebaut

Vor dem Hintergrund der geschilderten Entwicklungen am Rentenmarkt hat das UIC das Durationssignal für 10-jährige Bundesanleihen auf „neutral“ belassen und ferner die Jahresendprognose für deren Rendite von 0,8 Prozent auf 0,6 Prozent reduziert. In Hinblick auf Schwellenländeranleihen hält das UIC eine Gegenbewegung zur Entwicklung der letzten Wochen für möglich. Im Kern setzt dies voraus, dass die 10-jährigen US Treasuries nicht erneut auf ein Renditeniveau von über 3 Prozent steigen und der US-Dollar gegenüber Schwellenländerwährungen nicht weiter an Stärke gewinnt. Letzteres ist vor allem ein wichtiger Punkt für Argentinien und die Türkei, die nicht zuletzt wegen ihrer hohen Auslandsverschuldung besonders unter Druck geraten waren.

Die Berichtssaison hat gehalten, was sie versprochen hat, insbesondere bei US-Unternehmen. Für letztere liegen die Gewinnerwartungen bei stark überdurchschnittlichen 22 Prozent für 2018. Demgegenüber fallen europäische Unternehmen mit Gewinnerwartungen von durchschnittlich etwa 7 Prozent deutlich ab, was nicht zuletzt an der zwischenzeitlichen Eurostärke lag. Seit Mitte April ist der Euro allerdings wieder von 1,24 auf 1,16 Dollar/Euro gefallen, was den großen Exportunternehmen zu Gute kommt. Ob es auch den Aktienkursen hilft ist eine andere Frage, denn zum einen macht das aktuelle politische Bild die Eurozone für internationale Investoren nicht übermäßig attraktiv, zum anderen stehen weiterhin die Befürchtungen in Sachen Handelskrieg im Raum. Hinzu kommen strukturelle Faktoren, wie beispielsweise das geringe Technologie-Gewicht in europäischen Indizes. Vor diesen Hintergründen hat das UIC aktuell eine klare Präferenz für Aktien aus den USA gegenüber heimischen Werten.

Innerhalb des Rohstoffsektors fokussieren die Diskussionen an den Märkten vor allem auf die Frage nach der Entwicklung des Ölpreises. Einerseits hatte dieser in den letzten Tagen um rund vier Dollar nachgegeben, nachdem die OPEC und Russland die Möglichkeit erwähnt hatten, im zweiten Halbjahr die Produktion auszudehnen. Andererseits gibt es Stimmen, wonach die direkten und indirekten Auswirkungen der Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran durch die USA gravierender sein könnten als angenommen. Dieses bezieht sich nicht allein auf die Ölproduktion des Iran selbst, sondern kalkuliert die Möglichkeit ein, dass es mittelfristig zu einer weiteren Destabilisierung des Nahen Osten kommt und zum Beispiel auch die Produktion des Irak negativ betroffen sein könnte.

Die etwas überraschende jüngste Stärke des US-Dollars gegenüber dem Euro aber auch versus vielen Schwellenländerwährungen hat ihren Grund zum einen darin, dass viele Marktteilnehmer die Einschätzung der US-Konjunktur vor einigen Wochen etwas nach oben korrigiert haben. Im Falle der Währungsrelation zum Euro spielt aber ab etwa Mitte Mai die „Italienkrise“ natürlich ebenfalls eine Rolle. Solche politischen Einflüsse machen eine Währungsprognose kurzfristig eher schwierig, am aktuellen Rand ist eine Erholung des Euro aber nicht unbedingt zu erwarten.

Globale Wandelanleihen wiesen in den vergangenen vier Wochen eine stabile Seitwärtstendenz auf. Obwohl die regionalen - und insbesondere die europäischen - Aktienmärkte zur Schwäche neigten, bewegte sich der Wandelanleihemarkt relativ stetig in den positiven Bereich. Hauptgrund hierfür waren robuste Kurse für US-Technologieaktien und eine niedrige Aktiensensitivität von europäischen Wandelanleihen. Der weltweite Markt für Wandelanleihen ist zudem durch die relativ niedrige Zinssensitivität von den tendenziell steigenden Renditen und Bonitätsaufschlägen kaum betroffen. Die globale Neuemissionstätigkeit stieg im Mai stark an. Mit einer Aktiensensitivität von rund 50 Prozent sind Wandelanleihen weiterhin mit einem attraktiven Maß an Konvexität ausgestattet.

Die Perspektiven am Geldmarkt sind für Investoren unattraktiv.

Unsere Positionierung

Positionierung 04. Juni 2018
Stand: 04. Juni 2018
  1. 1 Erläuterung: Zur Festlegung der Anlagestrategie wird zunächst das Marktumfeld genau analysiert. Das Ergebnis schlägt sich in einer Risikoeinschätzung nieder. Dazu formuliert das Union Investment Committee eine Risk-on- / Risk-off-Entscheidung in fünf Stufen (1, 2, 3, 4, 5). Diese ist wie folgt zu interpretieren: Eine „5“ steht für eine hohe Risikoneigung, eine „1“ für einen weitgehenden Rückzug aus Risikoanlagen.

Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen:
29. Mai 2018, soweit nicht anders angegeben.