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UIC mit taktischer Risikoreduktion im April

Wachstumsoptimismus weitgehend an den Märkten eingepreist

  • Konsolidierung bei US-Renditen im April – leichter Renditeanstieg bis Ende des Jahres erwartet
  • Unternehmensergebnisse für das erste Quartal 2021 deutlich über den Erwartungen
  • Notenbanken sehen keinen nachhaltigen Inflationsdruck

„RoRo“-Meter weiter auf 4, Risikoausrichtung moderat offensiv

RoRo-Meter bleibt auf 4

Bei seiner turnusmäßigen Sitzung im April hat das Union Investment Committee (UIC) seine moderat-offensive Risikoneigung (RoRo-Meter 4) ein weiteres Mal bekräftigt. Zudem entschied sich das Gremium, die taktische, negativ verzinste Kassehaltung zu halbieren (-2,5 Prozentpunkte) und dafür die Absolute Return-Anlagen weiter auszubauen. Das Musterportfolio setzt damit neben dieser Anlageklasse nach wie vor einen Schwerpunkt auf Aktien und Staatsanleihen aus der Peripherie, während die „sicheren Häfen“ deutlich untergewichtet bleiben. Das Rohstoffsegment ist unverändert neutral gewichtet.

Im Verlauf des April hatte das Gremium bereits mehrere Umschichtungen vorgenommen. So hatte das UIC zunächst in Reaktion auf die auseinanderlaufende Bewertungsschere einen Teil der Aktienübergewichtung von den Industrie- zu den Schwellenländern gedreht. Im nächsten Schritt waren zur Mitte des Monats die Übergewichte in Aktien aus den Developed Markets und Staatsanleihen aus den Schwellenländern neutralisiert worden. Gleichzeitig löste das Gremium die Währungsposition im Euro gegenüber dem Japanischen Yen sowie das Untergewicht in Investment Grade-Unternehmensanleihen auf. Darüber hinaus wurde das Untergewicht in Staatsanleihen aus den Eurokernländern ausgebaut. Im Zuge dieser Änderungen war sowohl die Absolute Return-, vor allem aber auch die Liquiditätsposition angewachsen. Mit der Adjustierung im Rahmen der turnusmäßigen April-Sitzung wurde die Kasse nun spürbar reduziert.

Das UIC hält grundsätzlich an seinem konstruktiven Ausblick fest. Risikoanlagen sind unverändert von den Fortschritten bei der Pandemiebekämpfung, den konjunkturellen Verbesserungen und den anhaltenden und zum Teil noch ausgebauten geld- bzw. fiskalpolitischen Hilfen unterstützt. Dazu haben die Belastungen aus dem Anstieg der Renditen wie erwartet an Wirkung verloren und die Unternehmen legen in der aktuellen Berichtssaison bärenstarke Ergebnisse für das erste Quartal vor. Allerdings zeigen die (ausbleibenden positiven) Kursreaktionen auf die guten Unternehmens- und Konjunkturzahlen, dass der Wachstumsoptimismus in allen Anlageklassen bereits zu guten Teilen eingepreist ist. Dies wird auch von den von Union Investment herangezogenen Indikatoren zur Positionierung und zur Stimmung der Investoren bestätigt, die nach der positiven Entwicklung der letzten Monate keine zusätzlichen Kaufsignale mehr generieren.

In der Corona-Pandemie entwickeln sich die Pfade bei Infektionsgeschehen, Eindämmungsmaßnahmen und Impffortschritt wieder deutlicher auseinander. Während zuvorderst Indien von einer kräftigen, neuen Infektionswelle überrollt wird, halten sich in Kontinentaleuropa Verschärfungen (beispielsweise Bundesnotbremse in Deutschland) und Lockerungen (beispielsweise Niederlande) von Lockdowns in etwa die Waage. Die USA und Großbritannien haben sich hingegen durch die zügigen Impfkampagnen und die höheren Fallzahlen im letzten Jahr nach Schätzungen von Experten bereits relativ nah an die Herdenimmunität bewegt.

Corona-Krise prägt Konjunkturverlauf

Die Corona-Pandemie und die daraus abgeleiteten Maßnahmen der Regierungen bleiben weiter prägend für die Konjunktur. Die Volkswirte von Union Investment haben vor dem Hintergrund der Fortschritte auf beiden Feldern – beschleunigte Impfkampagne, raschere Normalisierung des Wirtschaftslebens und enorme staatliche Hilfen – jüngst die US-Wachstumsprognose ein weiteres Mal spürbar angehoben. Sie erwarten für dieses Jahr nun einen Wachstumszuwachs von 6,4 Prozent – statt zuvor 5,5 Prozent.

Im Euroraum bremsen zwar die höheren Infektionszahlen und die daraus resultierenden Kontaktbeschränkungen die Wirtschaft länger aus als bislang veranschlagt. Das UIC erwartet aber weiter erste Lockerungen noch im zweiten Quartal. Für die zweite Jahreshälfte hat sich hingegen der Ausblick angesichts des zuletzt steigenden Impftempos etwas aufgeklart. Dann sollten auch die bislang noch stark eingeschränkten Wirtschaftssektoren ihr Angebot wieder hochfahren können. Bis dahin überbrückt ein höherer Impuls aus dem Außenhandel die Zeit und verhindert einen stärkeren Einbruch der Wirtschaft. Europa profitiert damit von den Erfolgen bei der Pandemiebekämpfung in den wichtigen Absatzmärkten USA und China. Vor allem die exportgetriebene Wirtschaft in Deutschland erhält hiervon einen unmittelbaren Nachfrageschub. In Summe haben die Volkswirte von Union Investment die Wachstumsprognose für den Euroraum in 2021 leicht von 4,9 auf 5,1, die Prognose für 2022 von 5,2 auf 5,3 Prozent nach oben revidiert.

In beiden großen westlichen Wirtschaftsräumen erwartet das UIC keinen nachhaltigen Inflationsdruck. Auch wenn in diesem Jahr die Inflationsraten im Euroraum und in den USA zeitweise deutlich ansteigen sollten, ist diese Entwicklung im Wesentlichen auf Sonderfaktoren und Basiseffekte zurückzuführen. Die höchsten Jahresraten werden dabei zeitlich versetzt erreicht. Während die Inflation in den USA bereits in der ersten Jahreshälfte ihr Maximum erreicht, lässt der Gipfel der Basiseffekte im Euroraum noch bis ins vierte Quartal auf sich warten. Doch auch hier wird der statistische Einfluss bereits zu Jahresbeginn 2022 wieder vorbei sein.

Geldpolitik: Mit ruhiger Hand

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat auf ihrer April-Sitzung wie erwartet die Geldpolitik nicht geändert. Zwar trübt sich aus ihrer Sicht die Konjunktur im gemeinsamen Währungsraum aufgrund der anhaltenden Corona-Lockdowns am aktuellen Rand ein. Dies wird aber durch einen verbesserten Wachstumsausblick aufgewogen. Insgesamt gab sich die EZB Mühe, nicht optimistischer zu klingen als im März und Erwartungen einer anstehenden Rückführung der Anleihekäufe den Wind aus den Segeln zu nehmen. So wurde die Unsicherheit aufgrund der Pandemieentwicklung betont und der Inflationsanstieg erneut als temporär bewertet. Mit dem seit März erhöhten Kauftempo im Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) zeigte sich die Notenbank zufrieden. Weitere Informationen über die künftigen Kaufvolumina und die Zukunft des Programms über März 2022 hinaus wurden jedoch nicht gegeben. Diese wichtigen Entscheidungen stehen ab Juni an.

Auch die Sitzung des Federal Open Market Committee (FOMC) der US-Notenbank brachte insgesamt wenig Neues. Wie erwartet hat die Federal Reserve (Fed) keine Änderungen an ihrem geldpolitischen Kurs vorgenommen. Fed-Chef Powell scheint es erneut gelungen zu sein, zumindest vorübergehend Sorgen um die Rückführung der Anleiheankäufe (Tapering) zu zerstreuen. Sollte es in den kommenden Monaten zu dem erwarteten deutlichen Rückgang bei der Arbeitslosigkeit in Verbindung mit einer spürbaren Verbesserung bei wichtigen Beschäftigungsmaßen wie der Erwerbstätigenquote kommen, könnte die Fed allerdings entgegen der bisherigen Erwartung des UIC bereits schon im ersten Quartal 2022 (und nicht erst im zweiten Quartal) damit beginnen, ihre Anleihekäufe graduell zu reduzieren. Mit einer entsprechenden kommunikativen Vorbereitung des Taperings wäre dann bereits schon im Spätsommer 2021 zu rechnen.

Chart im Fokus: USA und Großbritannien kurz vor Herden-Immunität

USA und Großbritannien kurz vor Herden-Immunität
Quelle: Our World in Data, Union Investment, Goldman Sachs; Stand: 27. April 2021.

Positionierung innerhalb der Asset-Klassen

Renten: Hohe Nachfrage nach Investment Grade-Corporates

Nach dem starken Anstieg der Vormonate haben die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen im April konsolidiert. So fiel die Rendite im Monatsverlauf von knapp 1,75 auf zeitweise unter 1,55 Prozent zurück, stieg im Zuge der jüngsten Rücknahme von Corona-Beschränkungen aber wieder an. Bei zehnjährigen Bundesanleihen setzte sich der Anstieg mit dem vom UIC erwarteten, langsamen Tempo in die Region um -0,25 Prozent fort. Der generelle Aufwärtsdruck dürfte auch in den kommenden Monaten anhalten. Zum Jahresende erwartet das Gremium eine Rendite von 1,9 Prozent für zehnjährige US-Staatsanleihen und von 0,0 Prozent für laufzeitkongruente Bundesanleihen. Während sich die Renditeaufschläge in der Euro-Peripherie in den letzten Wochen etwas ausgeweitet haben, waren sie in den übrigen Carry-Segmenten weiter rückläufig. Investment Grade-Unternehmensanleihen notieren auf Indexbasis (ER00) auf den niedrigsten Spreads seit knapp drei Jahren und spiegeln damit sowohl die gesunde Verfassung des Unternehmenssektors als auch die hohe Nachfrage der Investoren wider. Das UIC sieht auf Indexebene ein eher eng begrenztes Potenzial für weitere Spreadeinengungen. Die größten Chancen dafür liegen in den nächsten Monaten bei Staatsanleihen aus der Euro-Peripherie.

Aktien: Starke Berichtssaison

Der Aufwärtstrend an den Aktienmärkten der Industrieländer setzte sich in den vergangenen Wochen fort, auch wenn einige Indizes – wie der DAX – erste Ermüdungserscheinungen aufwiesen. Dies schlägt sich auch in den verschiedenen von Union Investment analysierten Positionierungs- und Sentimentindikatoren nieder, die in Summe nur noch ein neutrales Signal ergeben. Neben der abnehmenden Dynamik des Renditeanstiegs sowie der positiven volkswirtschaftlichen Daten rückten vor allem die Unternehmenszahlen für das erste Quartal 2021 in den Fokus. Doch obwohl diese überwiegend noch deutlich über den bereits angestiegenen Erwartungen liegen und den Aktienmärkten auf der Bewertungsseite Luft verschaffen, konnten kurzfristig daraus keine neuen Impulse für weitere Kursanstiege in der Breite gezogen werden. Aktien aus den Emerging Markets fassten trotz der zum Teil besorgniserregend steigenden Corona-Zahlen in einigen Regionen und Ländern (ganz zuvorderst Indien) nach der Korrektur im ersten Quartal zuletzt wieder Tritt und werden aktuell taktisch vom UIC favorisiert.

Rohstoffe: Energie weiterhin favorisiert

Die OPEC hat auf ihrem jüngsten Treffen die geplanten Produktionserhöhungen bestätigt und wird die Rohölförderung in den kommenden drei Monaten um zwei Millionen Fässer pro Tag ausweiten. Sie rechnet mit einer anziehenden Ölnachfrage, vor allem getrieben durch abnehmende Corona-Einschränkungen in Europa sowie eine steigende Benzinnachfrage in den USA. Diese Faktoren sollten nach Ansicht des Kartells auch einen möglichen größeren Nachfrageausfall in Indien aufgrund der dortigen Corona-Ausbreitung überkompensieren. Gleichzeitig bleibt der Energie-Sektor nach Einschätzung des UIC der Re-Opening-Trade schlechthin innerhalb des Rohstoffsegments. Zudem sind die Rollrenditen mit rund drei Prozent noch immer attraktiv. Im Gegensatz dazu hält das Gremium die Industriemetallpreise für weitgehend ausgereizt. Mit Ausnahme von Kupfer wird das Angebot bei allen anderen wichtigen Industriemetallen 2021 über der Nachfrage liegen. Diese Marktüberschüsse treffen auf einen nachlassenden chinesischen Kreditimpuls, der das Potenzial für weitere Preisanstiege zusätzlich begrenzt. Bei den Edelmetallen ist die Situation unverändert: Platin und Palladium sind die Favoriten des UIC, da sie durch die anziehende Automobilkonjunktur gefragt bleiben dürften. Der Goldpreis wird weiter stark von der Entwicklung der US-Realzinsen und des US-Dollars beeinflusst.

Währungen: Ausgeglichene Chancen und Risiken

Mit den im Vergleich stärker steigenden Renditen von US-Staatsanleihen, den beherzteren Fiskalmaßnahmen der Regierung Biden und den größeren Fortschritten der USA in der Corona-Bekämpfung wertete der US-Dollar in den ersten Monaten des Jahres auf. In den letzten Wochen neigte er dann aber wieder zur Schwäche, nachdem die guten US-Nachrichten weitgehend eingepreist waren und sich der Anstieg der US-Renditen nicht weiter fortsetzte. Aus der erwarteten größeren Verfügbarkeit von Impfstoffen in Kontinentaleuropa besteht für den Euro zwar weiteres Aufholpotenzial. Dennoch dürften die konjunkturellen Nachrichten aus den USA zunächst noch deutlich positiver ausfallen als diesseits des Atlantiks. Auch die Abwertung des Japanischen Yen hatte sich unterstützt von den konsolidierenden Anleiherenditen im April abgeschwächt. Erst mit den jüngsten Konjunkturdaten wertete der Euro gegenüber der japanischen Valuta wieder auf. Konsolidierung ist ebenfalls das Stichwort beim Britischen Pfund. Nachdem die forsche Impfkampagne zu einer deutlichen Aufwertung gegenüber dem Euro geführt hat, wird der Impfvorsprung der Briten durch die zunehmende Dynamik im Euroraum in den nächsten Wochen schmelzen. Darüber hinaus besteht mit den schottischen Parlamentswahlen am 6. Mai ein Ereignisrisiko, könnten diese doch ein Fingerzeig für ein erneutes Unabhängigkeitsreferendum sein.

Wandelanleihen: Positiver Monat

Nach einem schwachen März konnten Wandelanleihen im April wieder an Wert zulegen. Alle Regionen zeigten eine gute Entwicklung, lediglich japanische Wandelanleihen zeigten sich über die letzten Wochen schwächer. Die Aktienmarktsensitivität stieg infolge der guten Wertentwicklung auf 57 Prozent, die Bewertungen hielten sich stabil. Es gab in allen Regionen Neuemissionen, in Asien kam mit Meituan sogar ein Emittent mit einem hohen Emissionsvolumen von drei Milliarden US-Dollar.

Unsere Positionierung

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Stand aller Informationen und Darstellungen:
29. April 2021, soweit nicht anders angegeben.

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