Angst vor dem harten Brexit

Beitrag von Dr. Jörg Zeuner

Leiter Research&Investment Strategy

Die Corona-Pandemie bestimmt aktuell die weltweiten Schlagzeilen ebenso wie das Gesehen an den Kapitalmärkten. Hinter diesem Schleier baut sich allerdings ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor auf, der das Potenzial hat, die Märkte kräftig durchzurütteln: der Brexit. Nach dem EU-Austritt Großbritanniens am 31. Januar sind die künftigen Handelsbeziehungen noch nicht geklärt. Es besteht die Gefahr eines harten Ausstiegs zum Ende des Jahres, der mit zahlreichen Zöllen und Handelsbeschränkungen einhergehen würde.

Am Montag findet die nächste Verhandlungsrunde zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU statt, bei der es neben Wettbewerbsfragen auch um die Verlängerung der Übergangsfrist gehen wird, in welcher Großbritannien noch in der Zollunion und im EU-Binnenmarkt bleibt. Ein weiterer Verhandlungstermin sowie ein Gipfeltreffen sollen noch folgen. Doch die Fronten sind verhärtet und die Zeit drängt. Eine Verlängerung um bis zu zwei Jahre kann nur bis zum 30. Juni verabredet werden. Obwohl der harte Brexit der britischen Wirtschaft schweren Schaden zufügen würde, spricht sich die Regierung hartnäckig gegen jede Verlängerung aus. Zuletzt hat in London die Überzeugung an Stärke gewonnen, dass nach den Verwerfungen der Corona-Krise die Folgen eines harten Brexits kaum noch ins Gewicht fallen würden.

Die Märkte könnten das anders beurteilen. Daher bleibt aus Investorensicht zu hoffen, dass am Ende trotzdem die ökonomische Vernunft siegt. Andernfalls stehen nach den jüngsten Turbulenzen weitere Wochen der Unsicherheit bevor.

 

Stand aller Informationen, Erläuterungen und Darstellungen:
24. April 2020, soweit nicht anders angegeben.