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Boom in der Weltwirtschaft

Die Ausbreitung der Delta-Variante des Corona-Virus dürfte die konjunkturelle Aufwärtsbewegung nicht stoppen. Im Gegenteil: Im Euroraum erreicht die Dynamik der Erholung voraussichtlich erst noch ihren Höhepunkt, wie aktuelle Daten zeigen, mit Deutschland als Vorreiter.

Die Delta-Variante des Coronavirus breitet sich in Europa aus. Das verursacht bei vielen ein zunehmend ungutes Gefühl: Weil der lang ersehnte Urlaub schon wieder ins Wasser fallen könnte, weil die nächste Runde an Lockdowns drohen könnte. Abgesehen von den gesundheitlichen Folgen geht die Sorge um, dass damit auch wieder wirtschaftliche Einbußen einhergehen. Dennoch reagieren die Märkte in der Breite (noch) relativ unbeeindruckt.

Zum einen, weil für mögliche neuerliche Eindämmungsmaßnahmen neben den Infektionszahlen auch die Hospitalisierungsrate, insbesondere die Auslastung der Intensivbetten, eine Rolle spielt – und diese liegt derzeit im unkritischen Bereich. Zum anderen sind Risikogruppen wie ältere und vorerkrankte Menschen mittlerweile überwiegend durchgeimpft. Zwar könnte eine weitere Ausbreitung die Kursentwicklung einzelner Sektoren wie Tourismus, Gastronomie und Luftfahrt belasten; doch dies dürfte dem anhaltenden Aufwärtstrend nur geringen Abbruch tun – immer vorausgesetzt, es taucht nicht eine Virusvariante auf, bei der die Impfstoffe nicht wirken.

Denn der Markt spielt weiterhin die Erwartung, dass die beispiellose wirtschaftliche Erholung, in der wir uns derzeit befinden, anhalten wird. Dass diese Haltung durchaus berechtigt ist, untermauern die jüngsten Konjunkturdaten aus der Eurozone und den USA eindrucksvoll.

Boom in der Eurozone

So haben die in der letzten Woche veröffentlichten finalen Zahlen der Markit/BME-Einkaufsmanager-Indizes in der Eurozone mit 59,2 Punkten im Juni, nach 57,1 Punkten im Mai, den höchsten Stand seit 15 Jahren erreicht. Vor allem die Stimmung im Dienstleistungssektor zog aufgrund der zunehmenden Öffnungen in den Ländern an und verringerte damit die Lücke zu den Umfragewerten des verarbeitenden Gewerbes. Viele dieser Unternehmen klagten zuletzt verstärkt über Lieferengpässe bei wichtigen Vorprodukten und berichteten von ersten Problemen, geeignete Fachkräfte zu finden. Entsprechend stiegen die Einkaufspreise so stark wie nie. Viele der Befragte gaben an, diese höheren Kosten weitergeben zu wollen. Auch wenn dies kurzfristig die Preise erhöhen wird, gilt nach wie vor, dass der Preisdruck mit dem Abbau der Lieferengpässe mittelfristig wieder nachlassen dürfte.

Eurozone im Aufschwung

Einkaufsmanagerindizes (linke Skala)/ indexierte BIP-Entwicklung (rechte Skala )

Eurozone im Aufschwung
Quelle: Refinitiv, *rechte Skala, UI-Quartalsprognose, Stand: 02. Juli 2021.

Deutsche Wirtschaft als Vorreiter

Dies gilt auch für Deutschland. Hier kletterte der PMI-Index auf 60,4 Punkte. Noch genauer lässt sich die Erholung hierzulande am ifo-Index ablesen: Im Gegensatz zum PMI, bei dem längere Lieferzeiten als Indikator für eine starke Wirtschaft positiv berücksichtigt werden, spielen diese im ifo Geschäftsklima keine Rolle. Der ifo-Index also, für den ebenfalls Manager zur Beurteilung ihrer Lage und der Geschäftsaussichten befragt werden, stieg im Juni auf 101,8 Punkte von 99,2 Zählern im Mai. Wie bei den PMI-Daten waren die Erwartungen im Vorfeld niedriger.

Zugleich zeigen Daten wie das GfK-Konsumklima, dass der Optimismus unter den Verbrauchern steigt. Im Juni kletterte der Index um 6,6 Punkt auf -0,3 Punkte. Die Menschen rechnen mit höherem Einkommen und wollen wieder mehr konsumieren. Dazu passen die im Juni deutlicher als erwartet gesunkenen Arbeitslosenzahlen. Wer in Lohn und Brot steht, neigt eher dazu, Geld auszugeben. Noch hängt die Anschaffungsneigung zwar den Ständen vor der Krise hinterher. Das ist aber für die weitere Erholung der Wirtschaft ein gutes Zeichen, denn damit gibt es noch deutlich Luft nach oben.

Diese Daten stecken den Rahmen ab für das enorme Wachstum der Wirtschaft in der Eurozone. Wie in unserem Jahresausblick prognostiziert, ist die europäische Wirtschaft im zweiten Quartal angesprungen und dürfte im dritten Quartal noch etwas an Dynamik gewinnen.

USA erreicht Zenit der Wirtschaftserholung

Während der Euroraum noch auf den Hochpunkt der Konjunkturbelebung zusteuert, zeigen unter anderem die jüngsten PMI-Daten aus den USA, dass sich die Dynamik hier etwas zu verlangsamen scheint – allerdings immer noch auf sehr hohem Niveau. Die Erholungsphase dauert an, aber Unterkomponenten wie die Auftragsbestände nehmen nicht mehr so stark zu wie in den Vormonaten. Dennoch befinden wir uns immer noch auf historischen Hochständen. Zwar zeigten jüngste Zahlen, dass der Umsatz im Einzelhandel etwas rückläufig war und die verfügbaren Einkommen leicht sanken. Doch diese Zahlen waren durch die Ausgaben von Haushaltsschecks in den Vormonaten verzerrt. Die Stimmung bei den Verbrauchern in den USA ist nach wie vor gut, sie planen wieder größere Ausgaben.

USA: Auf hohem Niveau

Einkaufsmanagerindizes ISM (linke Skala) /indexierte BIP-Entwicklung (rechte Skala )

USA: Auf hohem Niveau
Quelle: Refinitiv, *rechte Skala, UI-Quartalsprognose, Stand: 02. Juli 2021.

Es zeigt sich also: Die Konjunkturlokomotive zieht weiter um den Globus. Gestartet in China mit einem Halt in den USA ist der nächste Stopp die Eurozone. Weil nach und nach Region um Region die Erholung anschiebt, dürfte das Wachstum wie von uns zu Jahresanfang prognostiziert nachhaltig ausfallen – so lange nicht eine impfresistente Corona-Variante einen Nothalt auslöst. Wir rechnen für die USA in diesem Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 6,7 Prozent und für den Euroraum von 5,1 Prozent.

 

Stand aller Informationen, Erläuterungen und Darstellungen:
5. Juli 2021, soweit nicht anders angegeben.