Die Renaissance der 60/40-Portfolios

Aktien-Renten-Portfolios hatten es im vergangenen Jahr in Anbetracht der hohen Korrelation beider Anlageklassen schwer. Für 2023 sind daher aktive Anpassungen im Portfolio notwendig, um die Stabilität wieder herzustellen.

2022 war ein historisch außergewöhnlich schwaches Jahr für die Kapitalmärkte. Die raschen und starken Zinserhöhungen zur Inflationsbekämpfung ließen die Renditen am Rentenmarkt steigen. Angesichts zunehmender Konjunkturrisiken erhöhten sich bei Peripherie-, Unternehmens- und Schwellenländeranleihen auch die Renditeaufschläge (Spreads). Diese Marktsegmente verloren daher ebenso zweistellig an Wert wie das Gros der Aktienmärkte, die wegen steigender Zinsen und sinkender Gewinnerwartungen unter Bewertungsdruck gerieten.

2022: hohe Verluste bei Aktien und Renten – Erholung im 4. Quartal

Wertentwicklung

2022: hohe Verluste bei Aktien und Renten – Erholung im 4. Quartal
Quelle: Union Investment, Refinitiv; Stand: 29. Dezember 2022. Indizes: DAX, EURO STOXX 50, S&P 500, MSCI Emerging Markets, jew. Net-Return-Variante; iBOXX Euro Sovereigns, ICE BofA Euro Corporates, ICE BofA Euro High Yield, JPM EMBI Global Diversified, jew. Total-Return-Variante; Die Angaben zur Wertentwicklung basieren auf Vergangenheitswerten und lassen keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu. * Hartwährungen.

Klassische Aktien-Renten-Portfolios standen somit stark unter Druck. Das war nicht immer so: Seit dem Ende der 1990er Jahre wies die Kursentwicklung von Aktien­ und Renteninvestments meist eine negative Korrelation auf. Das heißt: In Zeiten fallender Aktienkurse legten die Rentenkurse zu und federten Verluste auf der Aktienseite ab. Die Diversifikation war entsprechend hoch. Mit der hohen Inflation 2022 zog die Korrelation jedoch sprunghaft an und die nominale sowie reale Rendite in Aktien-Renten-Portfolios sank. Zugleich nahm das Risiko im Portfolio zu, weil auch die Volatilität von Aktien- und Rententiteln stieg. In Summe fiel das Rendite-Risiko-Verhältnis wenig vorteilhaft aus.

Kann sich eine Diversifizierung über ein Aktien-Renten-Portfolio wieder auszahlen?

Aufgrund der tiefgreifenden Veränderung des wirtschaftlichen Umfelds sind Aktien­Renten­Portfolios aus der Balance geraten. Entlastung kommt nun aber von dem zuletzt ersichtlichen Trend zu sinkenden Inflationsraten. Gründe dafür sind neben statistischen Basiseffekten die Wachstumsverlangsamung, eine Normalisierung der Lieferketten sowie Bremseffekte durch die straffere Geldpolitik. Mit rückläufigen Inflationsraten verringert sich sukzessive auch der Handlungsdruck auf die Notenbanken, und der Trend zu steigenden Renditen dürfte auslaufen. Da die Energiepreise zuletzt wieder rückläufig waren, dürfte die Rezession auch milder ausfallen. Dies unterstützt risikoreichere Anlageklassen wie Aktien.

Somit sehen die Aussichten für ein Aktien-Renten-Portfolio derzeit deutlich besser aus. Die Renditen von Anleihen guter Qualität (Investment Grade) bieten eine attraktive Verzinsung. Union Investment kann dank der guten Marktstellung überdurchschnittlich oft gute Zuteilungsergebnisse bei Neuemissionen erzielen und dabei attraktive Neuemissionsprämien vereinnahmen. Zudem sollte der Druck auf die Aktienbewertungen über die Zinsseite im Jahresverlauf nachlassen: In Summe positive Nachrichten für Aktien-Renten-Portfolios.

Rentenmärkte haben 2022 deutlich an Attraktivität gewonnen

Hohe Renditen für Neuanlage

Rentenmärkte haben 2022 deutlich an Attraktivität gewonnen
Quelle: Refinitiv, Union Investment; Stand: 15. Januar 2023. *Hartwährung

Portfolioanpassungen in Zeiten erhöhter Inflation unerlässlich

2023 stehen die Chancen gut, dass Aktien-Renten-Portfolios ihre Stärke wieder ausspielen und wieder einen Ertrag mit mehr Stabilität bieten. Längerfristig erwarten die Volkswirte von Union Investment aber strukturell erhöhte Inflationsraten. Sie rechnen auch mit stärkeren Konjunkturzyklen, mit mehr Wachstum und dadurch mit mehr Volatilität an den Kapitalmärkten als in den Dekaden zuvor. In einem solchen Umfeld ist es wichtig, ein Aktien-Renten-Portfolio aktiv und flexibel an die neuen Verhältnisse anzupassen. Ein starres Festhalten an einer reinen 60/40-Allokation wäre die falsche Antwort. Stattdessen kann ein aktives Management Lösungen bieten, indem situativ Inflationsschutz oder eine stärker defensive Ausrichtung und damit mehr Diversifikation ins Portfolio kommt:

  • Eine Möglichkeit sind Aktien von Infrastrukturunternehmen. Staatliche Infrastrukturprogramme geben hier Rückenwind. Außerdem sind die Einnahmen aus Infrastrukturprojekten oft an die Teuerung gebunden. Damit bieten diese Aktien einen gewissen Inflationsschutz. Die Aktienexperten von Union Investment bevorzugen daher derzeit als Teil des Kern­Aktieninvestments Infrastrukturaktien.

  • In einem Umfeld von höherem nominalem Wirtschaftswachstum schaffen es wieder mehr Unternehmen, auskömmlich zu wachsen, was für günstiger bewertete Substanzwerte („Value“) spricht. Die Knappheit des Faktors „Wachstum“ nimmt ab, eine Prämie ist dafür weniger gerechtfertigt. Die Dominanz des Growth­Stils ist damit vorüber. Eine ausgewogene Allokation von Growth und Value ist daher empfehlenswert.

  • Im Fixed­Income­Bereich lassen sich inflationsindexierte Anleihen etwas höher gewichten. Diese bieten durch ihre Konstruktion einen günstigen Schutz im Falle eines Überschießens der Inflation.

  • Perspektivisch hilft auch dem Corporates-Bereich eine höhere Inflation, da der Verschuldungsgrad von Unternehmen mit intaktem Geschäftsmodell eher sinken dürfte. Gerade große Emittenten mit guter Bonität (Investment Grade) sollten steigende Refinanzierungskosten sowie mögliche Belastungen aus Konjunkturzyklen gut abfedern können.

UniRak Nachhaltig (Konservativ) : Mit einer defensiven Ausrichtung in das neue Jahr

Angesichts des Umfelds fiel es Mischfonds wie dem UniRak Nachhaltig (65/35-Aktien-Renten-Portfolio) sowie seinem defensiveren Pendant, dem UniRak Nachhaltig Konservativ (35/65-Aktien-Renten-Portfolio) im Jahr 2022 schwer. „Wir haben aktiv darauf reagiert und frühzeitig im Laufe des Jahres die Aktienquoten abgebaut und die Fonds defensiver aufgestellt“, sagt Thomas Jökel. Der Senior-Portfoliomanager ist für die Aktienseite der UniRak Fonds zuständig. Hoch bewertete Wachstumstitel, insbesondere Technologiewerte, wurden reduziert und die Mittel in defensivere Geschäftsmodelle investiert. Die Aktienuntergewichtung bleibt derzeit im UniRak Nachhaltig Konservativ bestehen. Zum Ende des Jahres war der Fonds zu etwa 30 Prozent in Aktien investiert. „Ein Aktien-Renten-Portfolio sollte nicht starr in seiner Allokation sein. In schwierigen Phasen ist es wichtig, vorausschauend und flexibel handeln zu können“, so Jökel. „Wir agieren nach wie vor mit Augenmaß und vorsichtig. Dennoch sind wir jederzeit bereit, wieder zu investieren, wenn es die Lage erlaubt. Das ist die Chance, die wir als aktive Manager taktisch nutzen können,“ führt Jökel weiter aus.

„Rentenseitig setzten wir Credit-Derivate im Portfolio ein und mischten Inflationsschutzanleihen bei, um die Verluste etwas abzufedern“, ergänzt Joachim Buddendick, der verantwortliche Portfoliomanager der Rentenseite. Zudem wurden strategische Positionen wie die Untergewichtung in der Zinssensitivität (Duration) eingegangen. Es erfolgten vornehmlich Zukäufe in kurzlaufenden Covered-Bonds, mit einer Laufzeit von maximal fünf Jahren. Hier war es möglich, mit einem relativ geringen Zinsrisiko bereits attraktive Renditen zu erzielen. Nach wie vor besteht ein Übergewicht in kurzlaufenden Pfandbriefen. „Für 2023 sehen wir eine wachsende Attraktivität der festverzinslichen Märkte. Aufgrund der gestiegenen Zinsen bieten sich hier wieder auskömmliche Renditen. Damit kann der Rentenmarkt wieder als Puffer für schwächere Aktienmärkte dienen und die Stabilität eines Aktien-Renten-Portfolios erhöhen“, resümiert Buddendick.

 

Stand aller Informationen, Erläuterungen und Darstellungen:
17. Januar 2023, soweit nicht anders angegeben.

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