Fed senkt überraschend die Zinsen und erhöht Ankaufprogramm

Die US-amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) hat am Sonntagabend ihre Geldpolitik weiter gelockert. Im einzelnen wurden die folgenden Maßnahmen beschlossen:

  • Leitzinssenkung um 100 Basispunkte auf die Spanne von null bis 0,25 Prozent

  • Erhöhung des Ankaufprogramms um 700 Milliarden US-Dollar , davon 500 Milliarden US-Dollar für Staatsanleihekäufe und 200 Milliarden US-Dollar für den Erwerb von verbrieften Immobilienkrediten (Mortgage-Backed Securities, MBS)

  • Absenken der Mindestreservequote auf null

  • Erleichterung der Ausleihbedingungen für Geschäftsbanken (z.B. durch temporäre Erleichterung der Eigenkapitalvorschriften, längere Ausleihzeiträume etc.)

  • Bereitstellung von US-Dollarliquidität durch Swap-Vereinbarungen mit anderen Zentralbanken

Mit den beschlossenen Maßnahmen schöpft die Zentralbank ihren Handlungsspielraum beim bestehenden Instrumentarium maximal aus. Einerseits signalsiert sie damit ihre Handlungsbereitschaft. Andererseits werden zukünftige Lockerungsaktionen damit eine Erweiterung des Instrumentariums der Fed erfordern. Das könnte beispielsweise eine vom US-Finanzministerium garantierte Sonderfazilität zum Erwerb von Unternehmensanleihen und anderen nichtstaatlichen Wertpapieren sein. Der Schritt kam zudem zeitlich überraschend, da die nächste Sitzung des Offenmarktausschuss‘ (Open Market Committee), also des geldpolitischen Entscheidungsgremium, ohnehin bereits am kommenden Mittwoch stattfindet.

Inwiefern die beschlossenen geldpolitischen Unterstützungsmaßnahmen der Realwirtschaft im aktuellen Krisenmodus helfen können, bleibt abzuwarten. Aktuell liegt der Schwerpunkt der Notenbank in der Aufrechterhaltung offener Kreditkanäle, wie Fed-Chef Jerome Powell bei der Bekanntgabe der gestrigen Entscheidung betonte. Man wisse, dass das Virus seinen Verlauf nehmen werde und dass die US-Volkswirtschaft danach zu einem normalen Aktivitätslevel zurückkehren werde, so Powell. In der Zwischenzeit werde man die zur Verfügung stehenden Instrumente zur Aufrechterhaltung des Kreditflusses für die Realwirtschaft nutzen.

Er verwies in seinem Statement auf die Rolle der Fiskalpolitik bei der Stabilisierung von in Schieflage geratenen Branchen und Unternehmen sowie bei der Unterstützung betroffener Arbeitnehmer. Außerdem erwähnte Powell in diesem Zusammenhang lobend die bereits getroffenen Maßnahmen in den USA. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump den nationalen Notstand ausgerufen. Allein dadurch werden Bundesmittel in Höhe von bis zu 50 Milliarden US-Dollar zur Bekämpfung des Corona-Virus auf Ebene der Bundesstaaten freigesetzt.

Die jüngsten US-Maßnahmen fügen sich damit in die Reihe geld- und fiskalpolitischer Unterstützungen der vergangenen Tage ein. Bereits am Freitag hatte die deutsche Bundesregierung beispielsweise unbegrenzte Kreditlinien für hiesige Unternehmen angekündigt und im Bedarfsfall ein Konjunkturprogramm in Aussicht gestellt. In nahezu allen großen Volkswirtschaften werden ähnliche Schritte diskutiert bzw. sind schon beschlossen.

Bei Union Investment gehen wir daher davon aus, dass weitere konjunkturelle Hilfen in den kommenden Wochen implementiert werden. Diese Programme dürften perspektivisch die Realwirtschaft, damit die Konjunktur und letztlich auch die Kapitalmärkte bei der Überwindung der ökonomischen Folgen der Krise unterstützen. Für eine nachhaltige Erholung an den Börsen ist jedoch nach unserer Einschätzung eine vorherige Beruhigung des Epidemieverlaufs notwendig. Daher rechnen wir kurzfristig weiter mit turbulenten Kapitalmärkten, bleiben aber mittel- bis langfristig bei unserem konstruktiven Ausblick.

 

Stand aller Informationen, Erläuterungen und Darstellungen:
16. März 2020, soweit nicht anders angegeben.