Gute Berichtssaison für das erste Quartal

Seit Mitte April präsentieren die Unternehmen in den USA und Europa ihre Zwischenbilanzen für das erste Quartal. Die bislang vorgelegten Zahlen zeigten einen leichten Gewinnrückgang im Vergleich zum Vorjahresquartal. Die Unternehmen übertrafen aber mehrheitlich die abgesenkten Umsatz- und Gewinnerwartungen. Deshalb rechnen die Analysten mit einer Verbesserung im weiteren Jahresverlauf und prognostizieren aktuell ein globales Gewinnwachstum von 4,3 Prozent.

Im Angesicht der schwachen konjunkturellen Entwicklung zu Beginn des Jahres und der politischen Unsicherheiten (Handelskonflikt US vs. China, Brexit) hatten die Aktienanalysten ihre Erwartungen für die Unternehmenszahlen in den USA und Europa deutlich gedämpft. Die Gewinnschätzungen für die US-Unternehmen wurden über den Verlauf der ersten drei Monate um sieben Prozent reduziert, sodass zu Beginn der Berichtssaison im Jahresvergleich mit dem ersten Quartal 2018 ein Gewinnrückgang um gut drei Prozent erwartet wurde. So schlimm wie befürchtet kam es jedoch nicht, und global betrachtet handelt es sich um eine gute Berichtssaison. Im Gegensatz zu den beiden vorherigen Berichtsperioden hatten die Analysten dieses Mal während der Veröffentlichung der Zahlen keinen Anlass, per saldo ihre Schätzungen weiter abzusenken.

Steigende Gewinnerwartungen seit Beginn der Berichtssaison

S&P 500-Indexgewinne ab Tag 1 des Quartals (adjustiert auf 100)
Steigende Gewinnerwartungen seit Beginn der Berichtssaison
Quelle: Factset, Union Investment; Stand: 2. Mai 2019

USA: Sektoren Gesundheitswesen und Technologie überraschen positiv

Bis Anfang Mai legten in den USA 382 der S&P 500-Unternehmen ihre Zahlen für das erste Quartal 2019 vor. Bislang übertrafen 56,3 Prozent die Umsatzschätzungen der Analysten, wobei die Höhe des „Beat“ mit insgesamt 0,2 Prozent die schwächste der letzten zweieinhalb Jahre ist. Mit Blick auf die Gewinne sieht die Bilanz jedoch deutlich positiver aus: Mehr als drei von vier Berichten (76,6 Prozent) übertrafen die Erwartungen, die vermeldeten Gewinne lagen in Summe 6,3 Prozent über den Schätzungen. Nur im ersten und im dritten Quartal 2018 wurde in den letzten Jahren die Erwartung noch stärker übertroffen.

Der Blick auf die Sektoren zeigt, dass auf der Umsatzseite vor allem Unternehmen aus den Bereichen Gesundheitswesen und Technologie positiv überraschten (75,6 bzw. 76,5 Prozent übertrafen die Erwartungen). Die größten Enttäuschungen gab es hingegen bei Telekommunikations-, Grundstoff- und Industrieunternehmen, vor allem bei denjenigen mit einem stärker international ausgerichteten Geschäft, das vom aufwertenden US-Dollar belastet war. Ein ähnliches sektorales Bild zeigte sich auch bei den Gewinnen. Nur eins von zehn Gesundheitsunternehmen verfehlte die Schätzungen, jeweils 85 Prozent der Technologie- und Dienstleistungsunternehmen berichteten besser als befürchtet.

Europa: „Beat“ schwächer als in den USA

In Europa legten bislang 249 der 452 jetzt berichtenden Unternehmen aus dem STOXX 600-Index ihre Zahlen für das erste Quartal vor. 58,6 Prozent übertrafen die Umsatzerwartungen. Allerdings lag dabei die Höhe der vermeldeten Umsätze in Summe um 0,6 Prozent unterhalb der Schätzungen der Analysten – der schlechteste Wert seit zweieinhalb Jahren. Fortgesetzt hat sich der Trend, dass die europäischen Unternehmen deutlich mehr Schwierigkeiten hatten, die Schätzungen zu übertreffen als ihre US-Pendants. Bislang lagen nur 54,5 Prozent der Gewinnberichte darüber und dies in Summe nur mit 0,3 Prozent. Dennoch wurde dies mit einer gewissen Erleichterung aufgenommen, war doch die Berichtssaison für das vierte Quartal 2018 in Europa die schlechteste der letzten zehn Jahre.

Ein Grund für den schwachen „Beat“ ist der im Verlauf der ersten drei Monate stark gestiegene Ölpreis. Aufgrund dessen hatten die Analysten bereits während des ersten Quartals begonnen, die Gewinne und Umsätze für die Unternehmen des Energiesektors in Europa nach oben zu revidieren. Diese vergleichsweise hohen Hürden konnten jeweils nur 40 Prozent der Unternehmen überspringen. Ähnlich schwach präsentierten sich nur noch die Zahlen in der Grundstoffbranche. Wie in den USA überzeugten vor allem Technologiefirmen, von denen 69 Prozent die Umsatz- und 80 Prozent die Gewinnerwartungen übertrafen. Umsatzseitig überraschten darüber hinaus Versorger und Dienstleister (75 bzw. 68 Prozent der Unternehmen besser als erwartet). Bei den Gewinnen waren es Gesundheits- und Telekommunikationsunternehmen (71 und 67 Prozent). Aus absoluter Sicht zogen die Umsätze in den Bereichen Technologie, Industrie und zyklische Konsumgüter zweistellig an und enttäuschten vor allem im Finanzsektor und in der Grundstoffindustrie.

Zuversicht für zweites Quartal

Mit den besser als befürchteten Unternehmenszahlen für das erste Quartal und den in den letzten Wochen wieder verbesserten Frühindikatoren stieg zuletzt weltweit die Zuversicht, dass die Geschäfte der Unternehmen im zweiten Quartal wieder besser laufen und die Gewinne zulegen können.

Ein gutes zweites Quartal für die Unternehmen wäre auch für das Erreichen der Prognosen für das Gesamtjahr 2019 wichtig. Auf die leicht negative Entwicklung in den ersten drei Monaten muss eine Verbesserung folgen, soll das aktuelle globale Gewinnwachstum der Analysten von einem Plus von 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr erreicht werden. Das wäre im Vergleich zu 2018 aber immer noch ein Einbruch des Gewinnwachstums von mehr als zwei Dritteln. Dieser kommt jedoch nicht überraschend, da die Zahlen des Vorjahres vor allem durch die Steuerreform in den USA, wo die Unternehmen mit einem Gewinnplus von mehr als 24 Prozent aufwarten konnten, beeinflusst waren. Dieser Effekt fällt in diesem Jahr weg, und durch die Wachstumsdelle im ersten Quartal haben die Analysten zusätzlich ihre Schätzungen reduziert (von einem Anstieg von 7,5 Prozent weltweit zu Jahresbeginn). So wird aktuell ein im historischen Vergleich niedriges Gewinnwachstum von circa 3,5 Prozent für US-Unternehmen und von etwa 5,5 Prozent für europäische Unternehmen prognostiziert.

 

Stand aller Informationen und Darstellungen:
06. Mai 2019, soweit nicht anders angegeben.