Industriemetalle vor dem Comeback

Die Konjunktur stabilisiert sich auf niedrigem Niveau. Das verleiht den Industriemetallen Preispotenzial. Kupfer und Nickel dürften von einer Knappheit im Markt profitieren.

Beitrag von Max Holzer

Leiter Relative Return und Mitglied des Union Investment Committee

Industriemetalle wie Nickel oder Kupfer sind aus unserem Alltag gar nicht mehr wegzudenken. Ohne sie würden Batterien, Autos, Smartphones oder Kabel nicht produziert werden können. Sie sind stark von der globalen Konjunkturentwicklung abhängig. Nach einer langen Durststrecke sieht es hier zuletzt  wieder besser aus. Dies eröffnet Chancen für das Investment in Industriemetalle.

Ausschlaggebend ist die Stabilisierung von konjunkturellen Frühindikatoren in wichtigen Volkswirtschaften. So haben zuletzt die Einkaufsmanager-Indizes in China nicht nur für den Dienstleistungssektor, sondern auch für das verarbeitende Gewerbe wieder etwas zugelegt. Die Indikatoren scheinen die Talsohle durchschritten zu haben und sich auf einem niedrigen Niveau zu stabilisieren.

Neue Stimulierungsmaßnahmen möglich

Nach wie vor belasten aber die Folgen des Handelskonflikts zwischen den USA und China das Wachstum. Hoffnungen ruhen darum auf möglichen chinesischen Konjunkturstimuli, die zu einem positiven Kreditimpuls und höheren Aktivitäten im Infrastrukturbereich führen könnten. Bislang agiert die Volksrepublik hier zurückhaltender als in früheren konjunkturellen Schwächephasen. So ist die Geldpolitik zwar locker, aber weniger expansiv als in Japan oder Europa. Die Regierung ist zudem bemüht, die industrielle Nachfrage nicht allzu stark künstlich aufzublähen. Dies wirkt leicht dämpfend für die Nachfrage nach Rohstoffen.

Niedrige Lagerbestände stützen die Preise

Nicht zuletzt deswegen haben Industriemetalle von den positiveren Konjunkturdaten bislang kaum profitiert. Im Mittel liegen die Preise der Metalle etwa ein Fünftel unter ihrem zur Jahresmitte 2018 erreichten Niveau, also bevor der Handelskonflikt eskaliert ist.

Für steigende Metallpreise spricht nicht nur die zaghafte Belebung der Wirtschaft, wenn sie denn nicht durch eine neue Eskalation im Handelskonflikt zunichte gemacht wird. Auch die Lagerhaltung unterstützt den Markt. Die Lagerbestände von Stahl, Aluminium und Kupfer befinden sich aktuell auf mehrjährigen Tiefständen.

Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass Industriemetalle derzeit im Rohstoffsektor die attraktivsten Chancen bieten. Je nach Metall ist aber der Marktsaldo, also die Differenz zwischen Angebot und Nachfrage, verschieden.

Kupfer und Nickel mit Angebotsdefizit

Bei Kupfer und Nickel erwarten wir ein Marktdefizit, es wird also mehr nachgefragt als produziert. Die Nickel-Lagerbestände an den weltweiten Metallbörsen sind sogar auf ein Elf-Jahres-Tief gefallen. Der Nickelpreis zeigte zuletzt eine hohe Schwankungsbreite. Dies lag daran, dass der wichtigste Nickelproduzent, Indonesien, den Export von Nickel begrenzt hatte. Daraufhin haben sich Unternehmen, die Nickel nachfragen, kurzfristig mit großen Mengen am Markt eingedeckt, um ausreichend Nickel-Vorräte zu haben. Inzwischen hat sich dieser Effekt aber wieder verflüchtigt.

Auch bei Eisenerz liegen die Lagerbestände leicht unter dem längerfristigen Trendniveau. Die Verbesserung der Stahlkonjunktur in China hat zuletzt zu einer leichten Preiserholung geführt. Die chinesischen Stahl-Lagerbestände befanden sich davor auf einem Fünf-Jahres-Tief.

Sektor historisch günstig bewertet

Der Industriemetall-Sektor ist im historischen Vergleich eher günstig bewertet und auch unter diesem Aspekt aussichtsreich. Für einige Metalle, namentlich bei Aluminium und Zink, liegen die Preise sogar deutlich unter den Grenzkosten. Einige Minen beziehungsweise Hüttenwerke dürften hier perspektivisch die Produktion einstellen, da sie nicht mehr kostendeckend produzieren können. Diese Angebotsverknappung unterstützt die Preise.

Die internationalen Investoren haben den Industriemetall-Sektor trotz der konjunkturellen Stabilisierung in den vergangenen Monaten weitgehend ignoriert. Zum Teil haben sie sogar Metalle leer verkauft, also auf fallende Notierungen spekuliert. Dies trifft vor allem auf den Kupfermarkt zu, der deshalb deutliches Aufholpotenzial aufweist. Gute Chancen weist Nickel auf, das sich in einem mehrjährigen Angebotsdefizit befindet. Aluminium, Blei und Zink dürften dagegen 2020 ausreichend im Markt vorhanden sein.  

 

Stand aller Informationen, Erläuterungen und Darstellungen:
15. Dezember 2019, soweit nicht anders angegeben