Inflation und Ukraine-Krieg dämpfen die Konsumfreude 

Die Verbraucherstimmung hat sich mittlerweile weltweit eingetrübt. Vor allem auch die hohe Inflation führt zu Kaufkraftverlusten. In Europa ist der größte konjunkturelle Belastungsfaktor die Unsicherheit über die russische Gaslieferung. Die USA stehen mit Blick auf den Arbeitsmarkt im Vergleich zu Europa besser da.  

Wenig überraschend drücken die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs, die Verlangsamung des Wachstums, die hartnäckige Inflation sowie die restriktive Geldpolitik mittlerweile spürbar auf die Konsumlaune der Verbraucher. Da es sich um globale Probleme handelt, trübt sich das Sentiment inzwischen weltweit ein. Dabei ist die Konsumstimmung oftmals schlechter als die aktuelle Lage. Die USA stehen auch mit Blick auf den Arbeitsmarkt besser da als der Euroraum.  

Inflation belastet die Kauflaune der US-Verbraucher, aber kein Einbruch erwartet  

Die anhaltende Inflation – und der damit verbundene Kaufkraftverlust – belastet die Stimmung der US-Haushalte deutlich. Schließlich waren die US-Konsumentenpreise im Juni im Jahresvergleich um 9,1 Prozent gestiegen, den höchsten Wert seit über 40 Jahren. Doch hat der nach wie vor sehr robuste US-Arbeitsmarkt in Kombination mit weiterhin vorhandenen Ersparnissen aus der Pandemie und einem ordentlichen Lohnwachstum dazu beigetragen, dass sich die schlechtere Konsumstimmung nicht in einen tatsächlich sinkenden Konsum übersetzt. Union Investment geht davon aus, dass sich der aktuell stark überhitzte US-Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten abschwächen wird. Dies ist von der US-Notenbank Fed im Rahmen ihres Kampfs gegen die hohe Inflation auch beabsichtigt, gelten hohe Lohnabschlüsse doch als ein kritischer Inflationstreiber. Es gibt aber keine Anzeichen, dass sich der US-Arbeitsmarkt in nächster Zeit darüber hinausgehend deutlich verschlechtert. Solange die Arbeitslosenzahlen in den USA nicht erheblich steigen, wird dies den für die Konjunktur so wichtigen Konsum stützen. Er wird zwar deutlich an Dynamik verlieren, aber nicht einbrechen. 

Aufgrund der Inflation bekommen die US-Konsumenten zwar real weniger für ihr Geld, aber sie geben weiterhin Geld aus. Als größten Risikofaktor für die US-Konjunktur und auch den Konsum gilt die Geldpolitik der Fed, die das Wirtschaftswachstum abwürgen könnte, sollte sie mit ihren Zinserhöhungen zu weit gehen. Die Fed hat allerdings bei ihrer letzten Sitzung betont, dass sie in den kommenden Monaten ihre Zinsentscheidungen stärker von der aktuellen Datenlage abhängig machen wird. Daher fühlt sich Union Investment in der Einschätzung bestätigt, dass ein Einhegen der Inflation gelingen kann, ohne dass die Fed überschießt. Union Investment geht davon aus, dass die Fed bis Ende 2022 ihren Zinserhöhungszyklus mit einem Leitzins von 3,25 bis 3,5 Prozent abschließt und es in 2023 nicht zu weiteren Zinsschritten kommen wird. In diesem Fall steht einem insgesamt stabilen Arbeitsmarkt und einem konstruktiven Konsumumfeld in den USA von dieser Seite nichts im Weg. 

Trübe Aussichten für das Wirtschaftswachstum​

Konsumentenbefragung​

Trübe Aussichten für das Wirtschaftswachstum​
Quelle: Refinitiv; Stand: 1. August 2022. * GFK; **University of Michigan​

Frühindikatoren für den Euroraum stark rückläufig 

Im Euroraum hat sich das Konsumklima seit März deutlich eingetrübt und zeigt mit -27 Punkten im Juli einen neuen Tiefststand an. Aber auch im Euroraum ist der Arbeitsmarkt aktuell vergleichsweise eng, da zahlreiche Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor einen Arbeitskräftemangel melden. Trotz der Verschlechterung der Stimmungsindikatoren präsentiert sich daher der Konsum auch im Euroraum nach wie vor recht robust. Hier wirken noch die Effekte aus dem Re-Opening im Nachgang der Corona-Pandemie nach. So geben die Verbraucher aktuell noch reichlich Geld für Dienstleistungen und Reisen aus. Dieser Effekt dürfte aber in den kommenden Quartalen an Kraft verlieren, insbesondere wenn die Ersparnisse aus der Pandemie zunehmend aufgebraucht sind. 

Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen bremst Konjunktur in Deutschland 

Auch der Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal 2022 war zu entnehmen, dass der Konsum das Wachstum erneut gestützt hat. Insgesamt stand damit für das zweite Quartal eine schwarze Null für das BIP unter dem Strich. Zudem wurde das Ergebnis des ersten Quartals deutlich aufwärts revidiert. Dies sollte aber nicht überinterpretiert werden, denn in der zweiten Jahreshälfte deutet alles auf eine Abschwächung hin. Die Spendierlaune dürfte deutlich sinken, wenn im Zuge der Energiekostenexplosion die stark gestiegenen Strom- und Gas-Rechnungen bezahlt werden müssen. Hiervon ist Deutschland aufgrund der hohen Abhängigkeit von russischen Energielieferungen besonders stark betroffen. Auch das Damoklesschwert von Gasrationierungen sowie die steigenden Zinsen tun ihr Übriges, um die Konsumlaune zu dämpfen und schlussendlich auch tatsächlich die Konsumausgaben zu drücken. Zwar geht Union Investment davon aus, dass der Arbeitsmarkt in Deutschland, wie auch in den USA, nicht ins Rutschen kommt, was den Konsum stützen sollte. Die Aussichten für den Konsum im Euroraum sind für die kommenden Quartale aber alles andere als rosig. 

 

Stand aller Informationen, Erläuterungen und Darstellungen:
1. August 2022, soweit nicht anders angegeben.

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