Bundestag

Koalitionspoker nach der Bundestagswahl

Die Wahlen zum 20. Deutschen Bundestag haben ein knappes Ergebnis gebracht. Auch nach dem Wahltag herrscht noch keine Klarheit über Zusammensetzung und Führung der nächsten Bundesregierung. Lassen sich erste Erkenntnisse für die Kapitalmärkte ableiten? Eine aktuelle Stellungnahme des Chefvolkswirtes bei Union Investment, Dr. Jörg Zeuner.

Quelle: Union Investment; Stand: 27. September 2021.

Die Wahlen zum 20. Deutschen Bundestag haben ein knappes Ergebnis gebracht. Laut vorläufigem amtlichen Endergebnis liegen Sozial- und Christdemokraten fast gleichauf. Dabei konnte die SPD starke Zugewinne verzeichnen, während CDU/CSU auf das schwächste Ergebnis der Nachkriegszeit zurückfielen. Auch die Grünen konnten spürbar zulegen und werden künftig zur drittstärksten Kraft im Bundestag, gefolgt von der leicht gestärkten FDP. Die Linke wird zwar erneut in Fraktionsstärke im Parlament vertreten sein, verliert aber deutlich an Stimmen.

  • SPD knapp stärkste Fraktion

    SPD knapp stärkste Fraktion
    Quelle: Der Bundeswahlleiter; Stand: 27. September 2021. * Obere Balken 2021, untere Balken 2017.
  • Quelle: Der Bundeswahlleiter; Stand: 27. September 2021.

Vielzahl an Koalitionen möglich

Zusammensetzung und Führung der nächsten Bundesregierung sind vor diesem Hintergrund nach wie vor unklar. Mehrere Konstellationen sind vor dem Hintergrund der neuen Mehrheitsverhältnisse möglich. Wahrscheinlich sind jedoch derzeit vor allem Dreierbündnisse zwischen einer der beiden Volksparteien SPD bzw. CDU/CSU mit den Grünen und der FDP. Ampelkoalition oder Jamaika-Bündnis sind daher derzeit die wahrscheinlichsten Alternativen. Zwar verfügen auch die Parteien der aktuellen „Großen Koalition“ über eine Mehrheit im Parlament, allerdings ist diese Variante aktuell kaum wahrscheinlich bzw. wird von beiden Parteien als unwahrscheinlich angesehen. Für eine „Rot-Grün-Rote“ Regierung gibt es hingegen keine parlamentarische Mehrheit.

Prinzipiell ergeben sich drei Koalitionsoptionen

Prinzipiell ergeben sich drei Koalitionsoptionen
Quelle: Der Bundeswahlleiter, Union Investment; Stand: 27. September 2021.

Aus Kapitalmarktperspektive bringt die Wahl alleine wenig Klarheit

Für Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt bei Union Investment, bringt die Wahl alleine wenig Klarheit: „Aufgrund der wirtschaftspolitischen Programmatik war Rot-Grün-Rot für viele Investoren ein schwer kalkulierbares Risiko. Diese Option ist nun vom Tisch.“ Alle übrigen aus Börsensicht entscheidenden Fragen sind nach Einschätzung des Experten hingegen noch offen. „Der Koalitionspoker beginnt jetzt erst. Je schneller sich umsetzbare Lösungen für drängende Fragen rund um Wirtschaft und Märkte abzeichnen, desto schneller werden die Märkte zur Tagesordnung übergehen. Wir rechnen mit schwierigen, langwierigen Sondierungs- und Koalitionsverhandlungen. In der Zwischenzeit ist an den Kapitalmärkten ein vorübergehender Anstieg der Volatilität immer wieder möglich“, präzisiert er. Mögliche Streitpunkte sieht der Chefvolkwirt dabei unter anderem bei kapitalmarktrelevanten Themen wie etwa der Schuldenbremse, der Steuer- und auch der Europapolitik.

Eine positive Botschaft für die Börsen steht für Dr. Zeuner aber bereits fest. „Deutschland wird auch künftig von einer europafreundlichen Regierung geführt. Für europäische Anlagen, wie zum Beispiel Peripherieanleihen oder auch den Euro, sind das gute Nachrichten.“ Darüber hinaus rechnet er mit einer Forcierung der klimapolitischen Anstrengungen. „Dekarbonisierung ist eines der Megathemen der 2020er Jahre. Die Anstrengungen zur Bekämpfung des Klimawandels werden daher einen Schwerpunkt der künftigen Bundesregierung bilden – egal, wer sie führt. Das wird an den Kapitalmärkten nicht ohne Folgen für nachhaltige Anlagen bleiben“, erläutert Dr. Zeuner.

 

Stand aller Informationen, Erläuterungen und Darstellungen:
27. September 2021, soweit nicht anders angegeben.