Neues Jahr – neue Anleihen!

Nachdem die Platzierungstätigkeit Ende 2017 deutlich abgeflaut war, rollte die Neuemissionswelle zum Auftakt 2018 wieder an. Gleich in den ersten Tagen des Jahres mussten die Anleihemärkte ein hohes Emissionsvolumen verarbeiten. Das ist regelmäßig im Januar der Fall, weil Staaten und Unternehmen ihre Kassen gleich zu Beginn des Jahres füllen möchten. Dieses Interesse stößt zumeist auf Anleger, die im Januar über frisches Budget verfügen und daher auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten sind. Es verwundert also nicht, dass wir auch in den ersten beiden Handelswochen 2018 eine rege Neuemissionstätigkeit gesehen haben.

 Eines ist dann aber zu Beginn dieses Jahres doch anders: Die Europäische Zentralbank (EZB) drosselt wie angekündigt das Tempo ihrer milliardenschweren Anleihekäufe. Ab dem 1. Januar 2018 pumpt die Notenbank monatlich „nur“ noch 30 Milliarden Euro in den Markt. Haben die reduzierten Anleihekäufe der EZB bereits erste Spuren am Anleihemarkt hinterlassen? Und wie verteilen sich die Neuemissionen konkret auf die einzelnen Segmente? Wir geben einen Überblick.

Gelungener Start für europäische Staatsanleihen

Schauen wir zunächst nach Europa. Dort gab Irland das Debüt auf der Staatsanleiheseite und brachte einen Zehnjahresbond. Auch Deutschland, Italien und Portugal nutzen bereits das Fenster zum Jahresstart und begaben neue Papiere im Gesamtwert von rund 17 Milliarden Euro. Die erste Auktion 10-jähriger Bundesanleihen (Zinskupon: 0,5 Prozent) verlief insgesamt erfolgreich. Portugal konnte mit dem eingespielten Emissionsvolumen in Höhe von rund vier Milliarden Euro gleich etwa 25 Prozent des gesamten Refinanzierungsbedarfs des Landes für 2018 einsammeln. Die Nachfrage war riesig, das Orderbuch belief sich auf insgesamt 17 Milliarden Euro. Auf den ersten Blick mag es etwas erstaunen, dass die Portugiesen mit ihrem Staatsbond auf eine derart hohe Nachfrage trafen, schließlich handeln die zehnjährigen Papiere bereits knapp 20 Basispunkte unter italienischen Staatsanleihen gleicher Laufzeit. Der Grund dafür liegt unter anderem in der Hochstufung der Bonitätsbewertung des einstigen Krisenlandes durch die Ratingagentur Fitch im Dezember 2017. Mit dem Verlassen des „Ramschbereichs“ (von BB+ auf BBB) wurden die Staatspapiere zum Jahreswechsel in wichtige Indizes aufgenommen, was Benchmark-Investoren zum Kauf veranlasste. Gute Wirtschaftsdaten beflügelten auch die Papiere aus Italien. Die Südeuropäer hätten mit ihren neu emittierten 20-jährigen Bonds (Kupon: 2,95 Prozent) mehr als dreimal so viel einwerben können als letztendlich emittiert wurde. Das Order-Buch war mit 31 Milliarden Euro eines der größten, das in diesem Bereich italienischer Staatsanleihen jemals verzeichnet wurde – eigentlich verwunderlich, wenn man bedenkt, dass Italien vor schwierigen Parlamentswahlen Anfang März steht. Ein gelungener Jahresauftakt also, denn alle Anleihen wurden sehr gut von den Anlegern aufgenommen. Und was verrät der Blick auf das insgesamt halbierte Ankaufvolumen der EZB? Hier ist es für ein erstes Zwischenfazit noch zu früh. Aktuell scheinen die Drosselungen den Markt noch nicht zu belasten.

Die Vereinigten Staaten platzierten Staatsanleihen mit 3- und 10-jähriger Laufzeit. Insgesamt gingen auch diese Emissionen gut über die Bühne. Allerdings war das Interesse globaler Investoren für länger laufende US-Treasuries etwas rückläufig im Vergleich zu den Auktionen im Dezember 2017.

Pralle Pipeline in den EM-Rates

Auch die Anleihemärkte der Schwellenländer profitierten zum Jahreswechsel von hohen Mittelzuflüssen. Argentinien machte den Auftakt am Primärmarkt. Mexiko kam bereits zwei Mal in diesem Jahr mit Schuldverschreibungen an den Markt. Die Türkei hat ebenfalls zwei Milliarden US-Dollar über eine 10-jährige Anleihe aufgenommen. Aktuell notieren alle Papiere leicht unter dem Verkaufspreis, weil die US-Treasury- und Bundrenditen seitdem gestiegen sind. Fester laufen dagegen die Staatsanleihen aus Israel und dem Oman aufgrund der üppigen Neuemissionsprämie. Zusammen mit einer Euro-Emission aus Mazedonien haben die Schwellenländer im Hartwährungssegment damit bereits in den ersten Wochen Anleihen im Volumen von insgesamt 24 Milliarden (davon 23,5 Milliarden in US-Dollar) begeben. Für die ersten Handelstage ist das eine beachtliche Größenordnung und doch erst der Anfang. Denn die Pipeline ist voll: Zahlreiche weitere Staaten haben für das erste Quartal Neuemissionen angekündigt, darunter Katar und Ägypten.

Corporates: Banken und Automobilhersteller machen den Auftakt

Nicht nur Staaten, auch Unternehmen nutzten bereits das Fenster zum Jahresbeginn: Über 30 Neuemissionen können für die ersten elf Tage im Credit-Bereich (Euro und US-Dollar) verbucht werden. Automobilhersteller sind traditionell die ersten Emittenten, die sich an den Markt trauen. Neben BMW und Daimler sammelte auch Toyota bereits neue Mittel ein. Der Großteil der Anleihen kam jedoch aus dem Bankenbereich, der ebenfalls immer sehr früh mit der Emissionstätigkeit startet. Unter den Emittenten befinden sich die Deutsche Bank, Santander, Crédit Agricole, UBS, UniCredit, die Caixabank und die Commonwealth Bank of Australia. Weitere Unternehmensanleihen wurden unter anderem vom französischen Versorger Engie, dem italienischen Energiekonzern Enel und Anheuser-Busch begeben. Drei Dinge haben diese Anleihen mehrheitlich gemeinsam: Erstens haben sie eine vergleichsweise lange Laufzeit, zweitens verfügen sie über ein gutes Rating und drittens sind diese Papiere sehr eng gepreist (5-10 Basispunkte, teilweise auf der Kurve).

Insgesamt wurden die Papiere also trotz der großen Menge in den ersten Handelstagen recht gut aufgenommen. Mit Blick auf die Asset-Swaps befinden sich die Spreads sowohl im Bereich Investment Grade als auch bei den Nachranganleihen nahe der historischen Engstände. Das führt uns dann doch zu einem Paradox: Denn auf der einen Seite bleiben die Spreads eng, obwohl sich auf der anderen Seite die Emissionsangebote häufen. Hat hier vielleicht die EZB die Finger im Spiel? Zumindest scheint es naheliegend, dass auf Seiten der Broker große Zuversicht besteht, dass die EZB wie zum Beispiel beim französischen Telekommunikationsanbieter Orange als Käufer tätig wird – ansonsten wäre bei einer derart voluminösen Offerte mit einer Preisreaktion zu rechnen. Der Druck – eine vermeintliche Verstopfung im Markt – ist also rational, hat aber zum jetzigen Zeitpunkt noch wenig Auswirkungen. Mit Blick auf die schon bald beginnende Quartalsberichtssaison ist ohnehin mit einem Abflauen zu rechnen. Der Markt hat dann Zeit, die erste Flut an neuen Papieren zu verdauen. Unabhängig davon wird es aber für den Bereich der Unternehmensanleihen mit Blick auf die kommenden Tage und Wochen entscheidend sein, dass der Rates-Markt und der Euro-Bund-Future stabil bleiben.

Tencent zehnfach überzeichnet

Auch aus den Emerging Markets haben in diesem Jahr bereits viele Unternehmen emittiert, hauptsächlich aus Asien und Lateinamerika. Insbesondere Emittenten aus Mexiko und Brasilien kamen bereits zu Beginn des Jahres an die Anleihemärkte. Verständlich, denn in beiden Ländern stehen 2018 Wahlen an, was perspektivisch zu Volatilität führen kann. Über Mexiko schwebt daneben die Angst um das Aus für das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA). Die Anleihen der mexikanischen Unternehmen BBVA Bancomer und Nemak zeigten nach der Platzierung im weiteren Handel keine starke Wertentwicklung. Auch die Entwicklung der Neuemissionen aus Brasilien ist uneinheitlich – gute Performance bei Rumo und Rede, schwächere Performance dagegen bei JSL und Marfrig.

Rekord-Jahresstart im asiatischen Credits-Markt*

Rekord-Jahresstart im asiatischen Credits-Markt
*Ohne Japan für den Zeitraum 1. Januar bis 12. Januar 2018. Quelle: Bloomberg, Stand: 12. Januar 2018

Die größte Neuemission kam allerdings aus China. Tencent nutzte die gute Stimmung zur Platzierung von vier Tranchen mit einem Gegenwert von insgesamt fünf Milliarden US-Dollar. Die Anleihe war mit 50 Milliarden US-Dollar zehnfach überzeichnet.
Insgesamt wurden die EM-Neuemissionen dank anhaltender Zuflüsse gut nachgefragt.

 

Stand: 12. Januar 2018