„Palladium profitiert vom Dieselskandal“

Thomas Benedix

Thomas Benedix arbeitet als Senior-Portfoliomanager im Team Investment Strategy bei Union Investment. Er verantwortet die Fundamentalanalyse sowie die Entwicklung der Investmentstrategien im Rohstoffsektor, die sowohl in die Rohstoff- als auch in die Multi Asset-Fonds eingehen.

Edelmetalle sind derzeit sehr beliebt. Welche Rolle die Geldpolitik und die Autobranche für den Preisanstieg der vergangenen Wochen gespielt haben und wie die Perspektiven nach vorne sind, erklärt uns Thomas Benedix, Rohstoffexperte bei Union Investment.

Gold liegt seit Jahresbeginn vier Prozent im Plus, Platin zehn und Palladium hat zuletzt ein Allzeithoch erreicht. Was ist denn los bei den edlen Metallen?

Der große Treiber bei Gold war die US-Geldpolitik. Nachdem die Währungshüter im vergangenen Jahr viermal die Leitzinsen angehoben hatten, gaben sie Anfang des Jahres an, die konjunkturelle Schwäche erkannt zu haben und zeigten sich bereit, ihren Straffungspfad auszusetzen. Das unterstützte nicht nur die Aktien- und Rentenmärkte, sondern auch den Goldpreis. Je weniger Zinsen Investoren bei Anleihen und anderen Anlagen kriegen, desto attraktiver wird Gold. Außerdem war das Edelmetall als sicherer Hafen gesucht, besonders im Dezember.

Als es zum großen globalen Abverkauf an den Börsen kam?

Genau. Anleger flüchteten sich in die Krisenwährung Gold. Mit der Erholungsbewegung im neuen Jahr tendierte der Goldpreis dann aber eher seitwärts. Das eingetrübte konjunkturelle Umfeld dürfte aber weiter unterstützend wirken. Gleichzeitig ist die Kurswende der US-Notenbank jedoch schon größtenteils im Goldpreis reflektiert. Wir rechnen damit, dass der Goldpreis noch etwas Potenzial nach oben hat, aber sehr begrenzt. Unser Kursziel für das Jahresende liegt bei 1.350 US-Dollar je Unze.

Und wie sieht es bei Palladium aus? Was waren die Gründe dafür, dass sich das Metall von 850 US-Dollar im August 2018 auf 1.560 US-Dollar pro Unze verteuert hat?

Im Wesentlichen gibt es hierfür drei Gründe: Erstens, der Markt ist seit Jahren in einem Angebotsdefizit, es wird also mehr nachgefragt als produziert. Zweitens: Die Marktteilnehmer fürchten neue Russland-Sanktionen, die dann zu einer noch größeren Knappheit im Angebot führen könnten. Norilsk Nickel aus Russland beispielsweise produziert etwa 40 Prozent der globalen Bestände. Ich vermute, dass sich viele Automobilhersteller – 80 Prozent der Palladiumnachfrage kommt aus der Automobilindustrie – aufgrund der befürchteten Sanktionen frühzeitig mit Palladium eingedeckt haben. Und letztlich sind dann auch einfach viele Investoren dem Preisanstieg hinterhergesprungen.

Die Nachfrage aus dem Automobilsektor ist also hoch. Dabei geht es der Industrie momentan doch alles andere als gut. Wieso fragen die Hersteller dennoch so viel nach?

Palladium wird für den Bau von Benziner-Katalysatoren genutzt. Das heißt, das Metall profitiert vom Dieselskandal. Die Leute meiden Diesel-Autos und fragen für den Moment mehr Benziner nach. Das ist auch der Grund, warum es bei Platin nicht so rosig aussieht, denn Platin wird in Katalysatoren für Dieselmotoren verbaut.

Gibt es bei Palladium noch Luft nach oben?

Der Palladium-Markt bleibt weiter fundamental gut unterstützt, nach dem 80-prozentigen Preisanstieg in den vergangenen sechs Monaten ist er jedoch überhitzt. Langfristig könnten Palladium und Platin der große Verlierer des E-Mobilität-Trends werden, da sie dort nicht benötigt werden. In der zukunftsträchtigen Brennstoffzellentechnologie kämen sie jedoch verstärkt zum Einsatz.

Kann Platin denn kurzfristig wenigstens von der Schmuckindustrie profitieren? Schließlich ist das Edelmetall ja derzeit recht günstig zu haben.

Paradoxerweise funktioniert der Schmuckmarkt etwas anders. Hier gilt eher die Devise: Je teurer, desto mehr Nachfrage. Außerdem ist in vielen Ländern, wie Indien, Gold der favorisierte Rohstoff für Schmuck. Das ist traditionell verankert. Auf Sicht der nächsten zwölf Monate bleibt die Situation bei Platin daher eher schwierig, langfristig ist das Edelmetall jedoch deutlich unterbewertet.

 

Stand aller Informationen, Erläuterungen und Darstellungen:
21. März 2019, soweit nicht anders angegeben.