Reisen für neue Investmentideen

Um die besten Investmentideen zu finden, reicht es nicht aus, im Elfenbeinturm zu sitzen und Bilanzen zu analysieren. Es ist essenziell, engen Kontakt zum Management der Firmen zu haben und sich auch vor Ort ein umfassendes Bild über die Unternehmen zu machen. Deswegen ist Omar Abu Rashed, Aktien-Portfoliomanager bei Union Investment, im März nach Taiwan und Südkorea gereist. Und er kam mit vielen Investmentideen im Gepäck zurück.
Rashed

Omar Abu Rashed ist seit Februar 2009 im Portfoliomanagement Aktien bei Union Investment tätig. Im Team Emerging Markets managt er drei Aktienfonds und ist zudem verantwortlich für das Research bestimmter Schwellenländer, insbesondere der Regionen Lateinamerika und Südostasien. Auch in seiner Freizeit reist Abu Rashed viel oder genießt die Natur beim Wandern, Klettern und Skifahren.

Geschäftsreisen wie diese macht Omar Abu Rashed, der für die Analyse von Aktien aus den Schwellenländern zuständig ist, etwa zwei bis drei Mal im Jahr. Innerhalb von sieben Arbeitstagen traf der Portfoliomanager 35 Unternehmen. Das ist insofern sinnvoll, da er so die Unterschiede zwischen Firmen eines Sektors leicht erkennen kann. Außerdem kann Abu Rashed durch den Eindruck vor Ort die Qualität des Managements besser einschätzen: Bescheiden eingerichtete Gebäude gehen oft einher mit guter Bilanzpolitik. Das Management hat nicht nur die Ordnung im Griff, sondern auch die Bücher. Prunkvolle Bauten hingegen lassen Abu Rashed eher skeptisch werden, da dann oftmals der falsche Fokus gesetzt wird.

Gute Vorbereitung ist die halbe Miete

Sowohl die einzelnen Meetings als auch die Reise an sich erfordern eine umfangreiche Vorbereitung. Vor dem Treffen mit dem Management eines Unternehmens sollte man sich mit den jüngsten Geschäftsergebnissen vertraut machen und kritische Punkte identifizieren, um sie dann ansprechen und klären zu können. Darüber hinaus muss man sich mit soziologischen Aspekten und kulturellen Normen des entsprechenden Landes vertraut machen. Dass die Lebens- und auch die Arbeitsweise in östlichen Kulturkreisen nicht die gleiche ist wie in westlichen Staaten, ist weitgehend bekannt. Überraschen dürfte jedoch die Tatsache, dass auch innerhalb der verschiedenen asiatischen Ländern deutliche Unterschiede in der jeweiligen Mentalität erkennbar sind. Dies ist auch in Taiwan und Südkorea der Fall.

So berichtet der Fondsmanager, dass die koreanische Gesellschaft stark von hierarchischem Denken geprägt ist und es sehr wichtig ist, den Management-Teams größten Respekt zu zeigen. Grundsätzlich solle man in Seoul aus Gründen der Höflichkeit vor allem kritische Fragen nach Möglichkeit nie direkt stellen. Man müsse sie stattdessen indirekt verpacken. Taiwan hingegen sei eher westlich orientiert und weise massive kulturelle Unterschiede nicht nur zu Korea, sondern auch zum chinesischen Festland auf. Bei flachen Hierarchien finde hier in den Meetings ein offener Austausch zwischen beiden Parteien statt. Auch Probleme könnten direkt angesprochen und mit dem Management diskutiert werden.

Mit neuen Investmentideen zurück nach Deutschland

Abu Rashed hat auf seiner Reise Unternehmen verschiedenster Branchen getroffen, wie zum Beispiel Hersteller von Halbleitern und Speicherchips sowie Firmen der Schiffsbauindustrie. Für besonders aussichtsreich hält er die Logistikbranche Südkoreas und taiwanesische Fahrradproduzenten. Aus dem koreanischen Logistikmarkt ist kürzlich ein Wettbewerber ausgeschieden. Zudem wurden im letzten Jahr erstmals die Preise im Paketbereich erhöht und das Preismodell umgestellt. Das lässt eine Steigerung der Profitabilität erwarten. Weitere Chancen ergeben sich aus der steigenden Nachfrage nach E-Bikes in Asien, den USA und Europa. Diese Chancen möchte Omar Abu Rashed nutzen: Nach Meetings mit den global größten Fahrradproduzenten des mittleren bis oberen Preissegments, Giant und Merida, und anschließender weiterführender Recherche, erwarb er für seine Fonds Aktien von Merida. Dies überzeugte auch einige Kollegen, die somit ebenfalls von Abu Rasheds Reise profitieren konnten. Die Research-Reise ist zwar vorbei, aber die Arbeit geht weiter. Schließlich ist es wichtig, die Unternehmen kontinuierlich zu analysieren und auf ihre Eignung im Portfolio hin zu überprüfen.

Interview mit Aktien-Portfoliomanager Omar Abu Rashed

Taiwan ist beim Thema Elektromobilität schon viel weiter

Omar Abu Rashed

Herr Abu Rashed, 35 Unternehmen in sieben Tagen – das klingt stressig. Bleibt da noch Zeit für Freizeit?

Der Zeitplan ist meist straff. Dieses Mal hatte ich jedoch ein Wochenende frei, an dem ich mir Taipeh angeschaut habe. Da ich ein großer Fan von asiatischem Essen bin, habe ich auch mehrere Food Courts besucht und viele Spezialitäten probiert. Stinky Tofu, in Knoblauch getränkter Tofu, ist mir dabei besonders in Erinnerung geblieben. Zudem tauche ich gern in das städtische Treiben ein und gehe dahin, wo auch die Einheimischen sind. Ich nehme die U-Bahn und schau mir gerne an, wie voll bestimmte Geschäfte sind. Hierdurch bekommt man Eindrücke über das Konsumverhalten der Bürger.

Was hat Sie auf Ihrer Reise am meisten überrascht?

In Taipeh sind mir immer wieder Batteriestationen aufgefallen. Wie sich herausstellte, fokussiert sich Taiwan bei der Elektrifizierung von Fahrzeugen nicht wie Europa und die USA auf Autos, sondern auf Scooter. Die benötigten Batterien sind viel kleiner als die für Autos. Sie können einfach aus den Scootern herausgenommen und an den Stationen ausgetauscht werden. Das geht schnell und das Netz ist sehr gut ausgebaut. Ohnehin sind Scooter im Stadtverkehr wesentlich praktischer als Autos und zudem mit 2.600 bis 3.600 Euro preiswert. Taiwan ist beim Thema Elektromobilität schon viel weiter als wir.

Sie sind Fondsmanager des UniEM Global. Ist ein Fonds mit Schwerpunkt auf Ländern aus Asien oder Lateinamerika aufgrund der Distanz nicht schwieriger zu managen als ein Portfolio mit Fokus Europa?

Klar birgt die Entfernung einige Nachteile. Eine knapp 9.000 Kilometer-Reise macht man nicht so schnell, wie sich in München mit einem DAX-Konzern zu treffen. Auch gibt es vereinzelt Sprachbarrieren. Doch mittlerweile ist Englisch überall Standard. Und die Entfernung hat auch viele Vorteile: Man wird nicht so sehr mit täglichen Nachrichten und Infos überhäuft und gestört und kann so besser den langfristigen Blick auf die Unternehmen richten. Schließlich sollen die Investitionen auf lange Sicht einen Mehrwert für die Anleger bringen.

  • Taipai 101

    Taipei 101

    Das Taipei 101 ragt mit 508 Metern Höhe als Wahrzeichen über die Stadt hinaus. Seinen Namen verdankt es der Anzahl seiner Stockwerke. Trotz der modernen Bauweise enthält das 101 auch traditionelle Elemente wie Drachenköpfe an den Ecken. Damit ist das Taipei 101 ein Sinnbild für eine Stadt, in der Tradition und Moderne unabdingbar miteinander verknüpft sind.

  • Food Courts

    Food Courts

    Auf den Food Courts kann man an unzähligen Ständen für wenig Geld allerlei Spezialitäten der asiatischen Küche probieren. Die Stände kann man sogar schon riechen, bevor sie in Sichtweite sind.

  • Logistik

    Logistikbranche

    Besonders aussichtsreich ist die koreanische Logistikbranche. Bis zum letzten Jahr war der Preis für das Versenden eines Pakets meist einheitlich, unabhängig von Größe, Gewicht und Lieferdistanz. Nun werden Preisanpassungen vorgenommen.

  • Networking

    Networking

    Portfoliomanager Omar Abu Rashed mit zwei Unternehmensvertretern der Firma Primax, einem Premiumhersteller von Bluetooth-Lautsprechersystemen, in Taiwan.

Stand aller Informationen, Erläuterungen und Darstellungen:
02. April 2019, soweit nicht anders angegeben.