Rekordvolumen neuer Unternehmensanleihen

Credits: Zweite Januarwoche mit Rekord-Emissionsvolumen

2019 war mit einem Volumen von 362 Milliarden Euro im Investment Grade-Bereich (IG) bereits ein Rekordjahr für die Ausgabe neuer Unternehmensanleihen. Auch Anfang 2020 nutzten zahlreiche Unternehmen das niedrige Rendite- und Spread-Niveau bei gleichzeitig hoher Nachfrage. In der zweiten Januarwoche wurde mit geschätzten 30 Milliarden Euro innerhalb von drei Tagen ein Volumen an IG-Unternehmensanleihen platziert, das normalerweise im Verlauf eines Monats begeben wird. Ein Grund war vermutlich der Iran-Konflikt. Die Emittenten wollten ihre Papiere rasch an den Markt bringen, da eine Eskalation des Konflikts nicht ausgeschlossen werden konnte. Doch bereits in der Folgewoche kehrte Ruhe in den Primärmarkt ein. Inzwischen fällt die Emissionstätigkeit sogar unterdurchschnittlich aus.

Seit Jahresbeginn sind die Spreads bei stabilem Renditeniveau aufgrund des hohen Angebots zunächst leicht gestiegen und zuletzt wieder gesunken. Insgesamt bewegt sich der Markt bei freundlicher Tendenz seitwärts. Besonders in den Ratingklassen zwischen A und BBB haben sich die Risikoaufschläge in den letzten beiden Wochen weiter eingeengt, nachdem die höheren Bonitäten schon länger niedrige Spreads aufwiesen. Aktuell liegt die durchschnittliche Rendite von IG-Papieren auf Indexebene bei 0,41 Prozent und der durchschnittliche Spread beträgt 61 Basispunkte. Wir gehen davon aus, dass der Trend zu Spread-Einengungen anhält, da sich die extrem lockere Geldpolitik zumindest in den kommenden drei Monaten weltweit fortsetzen sollte.

Auf der Nachfrageseite haben die Investoren die neuen Anleihen sehr gut aufgenommen. Im Vergleich mit der Geldpolitik spielen geopolitische Themen zurzeit eine sehr untergeordnete Rolle an den Märkten. Zudem lässt sich klar erkennen, dass auch die Europäische Zentralbank (EZB) seit Beginn ihres neuen Ankaufprogramms Anfang November in IG-Unternehmensanleihen investiert hat. Im Nachrangsegment macht sich zusätzlich bemerkbar, dass nun auch Versicherungen bei dieser Anlageklasse als Käufer auftreten. Die beste Wertentwicklung seit Jahresbeginn wies erneut der CoCo-Anleihenmarkt auf, der um 1,5 Prozent zulegen konnte.

EZB kauft mehr Corporates

Monatliche Nettokäufe in Milliarden Euro
EZB Käufe
Quelle: Macrobond, EZB, Union Investment; Stand: 20. Januar 2020

Die High Yield-Investoren achten genau auf die Rendite

Entgegen der Erwartungen blieb es am Primärmarkt für Hochzinsanleihen (High Yield) zu Jahresbeginn noch ruhig. Die anfängliche Zurückhaltung der Emittenten wirkte sich entsprechend unterstützend auf den Sekundärmarkt aus, wo die Renditen ab der zweiten Woche sanken. Vergangene Woche kamen jedoch schließlich acht Neuemissionen an den europäischen High Yield-Markt. Wir gehen davon aus, dass dieser Trend weiter anhält.

Auf der Nachfrageseite ist aber inzwischen eine gewisse Sättigung zu beobachten. Das Interesse der Investoren an neuen High Yield-Anleihen ist zwar groß, doch sie kaufen nicht undifferenziert zu jedem Preis. Zurzeit liegt die psychologische Marke bei rund zwei Prozent. Das heißt, wenn ein High Yield-Papier eine Rendite von kaum mehr als zwei Prozent bietet, greifen die Anleger lieber bei Hybridpapieren aus dem IG-Segment zu, die eine ähnliche Rendite bei niedrigerem fundamentalem Risiko bieten. Die Investoren sind folglich nicht (mehr) bereit, überteuerte Papiere zu kaufen.

Die fundamentale Situation der Emittenten spielt aber eine untergeordnete Rolle, solange deutlich mehr als zwei Prozent auf dem Kupon stehen. Im Grenzbereich zwischen Investment Grade und High Yield bleiben die Anleger vorsichtig. Zwischen den Ratingklassen BBB und BB wird klar differenziert und die Emittenten müssen eine entsprechende Kompensation bieten, damit auch BB gekauft wird. Aber auch hier kommt es auf die Rendite an.

 

Stand aller Informationen und Darstellungen:
17. Januar 2020, soweit nicht anders angegeben.