Risikomanagement-Konferenz 2020

Die weltweite Corona-Pandemie hat die Finanzkrise von 2008 als größtes Risikoereignis der jüngeren Geschichte in den Schatten gestellt. Mit dem Ergebnis der US-Wahlen dürfte zusätzliche Bewegung in eine Welt im Wandel kommen.

Was sind die Folgen für die Asset Allocation? Orientierung bot in diesem Jahr die 15. Risikomanagement-Konferenz von Union Investment, die Corona-bedingt erstmals exklusiv im digitalen Format aus der Rheingoldhalle in Mainz übertragen wurde. Live aus den USA waren Prof. Stephanie Kelton und Prof. Harold James zugeschaltet

Ist Staatsverschuldung eine Gefahr? - Prof. Stephanie Kelton

Stephanie Kelton kritisierte die immer noch vorherrschende „New Consensus Macro“-Meinung, und wie unabhängige Notenbanken bisher die Geldpolitik managten. Ihr besonderes Augenmerk galt dabei der Fiskalpolitik, die ihrer Meinung nach bisher zu stark auf eine Betrachtung und Verwaltung der Haushaltsdefizite und die Staatsverschuldung ausgerichtet gewesen sei. Ihrer Meinung nach agieren Staaten dabei zu sehr wie ein Privathaushalt, obwohl ihnen die Fiskal- und Geldpolitik viel mehr Spielraum bei der Staatsverschuldung geben, sofern das Geld zum Wohle seiner Bürger und der Wirtschaft investiert werde. Bei der Betrachtung von Defiziten sei es viel wichtiger zu ermessen, wer von dem Defizit profitiert. So könne ein Defizit auch durchaus ein Zeichen sein, dass eine Regierung mehr Geld zum Wohle der Volkswirtschaft investiere, ohne sich dieses sogleich durch Steuern zurückzuholen.

Gerade die aktuellen Herausforderungen der Corona-bedingten Arbeitslosigkeit und der Kampf gegen den Klimawandel böten Möglichkeiten für strategische Investitionen in Infrastruktur, Bildung und grüne Technologien. Selbst hohe Defizite führen laut Kelton nicht zwangsläufig zu Inflation, hohen Zinsen oder einem Staatsbankrott. Die Corona-Pandemie habe nun in vielen Staaten und auch bei vielen Kritikern der Modern Monetary Theory (MMT) zu einem Umdenken geführt. Kelton unterstrich dabei, dass MMT vor allem eine Sichtweise auf die Möglichkeiten zur Geld- und Fiskalpolitik von Staaten sei. Diese funktioniere bei niedrigen Zinsen, aber genauso bei höheren Zinsen.

Das Ende der Globalisierung - Prof. Harold James

Die Ergebnisse der US-Wahlen werden nach Auffassung des Wirtschaftshistorikers Harold James auch Auswirkungen auf den Dollar als globale Leitwährung haben. Sofern sich die internationalen Beziehungen unter dem designierten Präsidenten Joe Biden normalisieren, werde die Bedeutung des Greenback als sicherer Hafen für Investoren schwinden.

Damit würde Biden gelingen, was Präsident Trump über vier Jahre vergeblich versucht hat, den Wert des Dollar zu senken, um amerikanischen Exporteuren Vorteile auf den Weltmärkten zu verschaffen. Andere Währungen gewännen dagegen an Bedeutung. Die Abwertung des Dollars werde aber nicht nur durch den Präsidentenwechsel verursacht, sondern auch, weil sich die Rolle der USA in der Weltwirtschaft verringert habe.

Der britische Wirtschaftshistoriker Prof. Harold James, Princeton University, spricht im Interview über die Corona-Pandemie und wie die Welt danach aussehen kann.

Zur Lage an den Märkten - Jens Wilhelm

Droht angesichts der Corona Pandemie eine anhaltende Schwächeperiode? Oder überwiegen die Chancen, so dass wir vielleicht sogar am Anfang eines neuen Börsenzyklus stehen? Jens Wilhelm sah viele Indizien für letztere These. Denn die Corona-Pandemie habe in der Geldpolitik, aber vor allem in der Fiskalpolitik zu einem Umdenken geführt. Hinzu komme, dass die amerikanische Notenbank eine neue Inflationssteuerung eingeführt habe, die steigende Inflationsraten nicht gleich bekämpft. Dennoch rechnet Wilhelm mit anziehendem Preisdruck erst wenn die Wirtschaft Vorkrisenniveau erreicht habe.

Anleger dürften also erstmal weiterhin mit niedrigen Nominalrenditen rechnen, genauso wie mit negativen Realrenditen und steileren Zinsstrukturkurven. Um die Folgen der Pandemie zu bekämpfen, müsse die Politik in den kommenden Jahren auf Wachstum zielen und nicht auf Haushaltskonsolidierung. Damit verbunden sei zunächst ein Schuldenwachstum, wobei die Notenbanken nach Jens Wilhelms Einschätzung diesen Kurs weiter finanzieren werden. Um daraus entsprechende Impulse für die Wirtschaft zu generieren, seien enorme Investitionen notwendig, so etwa in den Aufbau einer digitalen Infrastruktur sowie einer klimafreundlichen und nachhaltigen Volkswirtschaft.

Für Investoren komme es nun darauf an, zu ermessen, welche Sektoren und Einzelwerte davon profitieren können, „denn da sind große Anlagechancen möglich“, unterstrich Wilhelm. Der Beginn eines neuen Börsenzyklus bietet also sehr gute Perspektiven für Risiko-Assets. Aktien sind laut Jens Wilhelm dabei die attraktivste Asset-Klasse. Die Bewertungen seien gut, Volatilität bleibe zwar weiterhin ein Thema, doch die Risikoprämie gelte es weiter zu verdienen.

Lesen Sie den kompletten Kapitalmarktausblick von Jens Wilhelm
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