Rohstoffe – Gute Konjunktur sorgt für Rückenwind

Für Rohstoffe könnte es derzeit kaum besser laufen. Im Oktober verbuchte die Anlageklasse – gemessen am MS RADAR Index ex Agrar – ein kräftiges Plus von vier Prozent. Seit Jahresanfang liegt der Zuwachs sogar bei 12,9 Prozent. Hintergrund für die starken Anstiege sind vor allem zwei Faktoren: die positive Konjunkturlage sowie spezifische Entwicklungen in den einzelnen Sub-Asset-Klassen.

Kräftige Konjunktur

Was das globale Wirtschaftswachstum angeht, so fallen die Daten seit Monaten überraschend stark aus. Die von Union Investment erhobenen Growth Surprise Indizes weisen seit den Sommermonaten eine spürbare Beschleunigung der Aufwärtsbewegung auf, sowohl in den Industrie- als auch in den Schwellenländern. Jüngstes Beispiel dafür ist der globale Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe. Das Barometer kletterte im Oktober auf den höchsten Wert seit Anfang 2011. Auch die Union Investment-Frühindikatoren ULI (für die USA), ELI (für die Eurozone) und CLI (für China) signalisieren ein robustes Konjunkturmomentum.

Öl-Lager sinken

Hinzu kommen sektorspezifische Unterstützungsfaktoren. Im Energiebereich beispielsweise überwiegen bereits seit geraumer Weile die positiven Nachrichten. Vor allem die rückläufigen Lagerbestände in den USA bewegen den Markt. Absolut gesehen befinden sich die Lagerbestände zwar immer noch auf einem historisch hohen Niveau. Im Vergleich zu ihrem Peak ist jedoch ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen gewesen. Der Befund gilt nicht nur für die Vereinigten Staaten, sondern auch auf globaler Ebene. So ist die Bevorratung in der OECD gegenüber dem Höchststand bereits spürbar gesunken – und fällt derzeit schnell weiter. In den USA spielt dabei zwar auch die Hurrikansaison eine Rolle. Im Jahr 2017 sind die Herbststürme besonders heftig ausgefallen und haben insbesondere rund um den Golf von Mexiko Produktion und Raffinerietätigkeit beeinträchtigt. Die Haupttreiber der Aufwärtsbewegung beim Öl (gerade aus globaler Perspektive) sind jedoch struktureller Natur: Die Nachfrage nach dem „schwarzen Gold“ steigt kräftig. Gleichzeitig wird das Produktionswachstum durch schwache Investitionen, eine zunehmende Berücksichtigung der unternehmensindividuellen Profitabilität der US-Schieferöl-Unternehmen und die Produktionskürzung der OPEC gehemmt. Im Ergebnis ist der Ölmarkt in der zweiten Jahreshälfte 2017 ins Defizit gerutscht. Für das Gesamtjahr 2018 rechnen wir mit einer ausgeglichenen Marktbilanz.

OECD-Lagerbestände gegenüber 5-Jahresschnitt

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Quelle: IEA, Bloomberg, Union Investment

Preisanstiege bei Energie

Als Reaktion auf diese Entwicklungen sind die Kurse im Petroleumsektor deutlich gestiegen. Rohöl der Sorte Brent kostet erstmals seit Juli 2015 wieder mehr als 60 US-Dollar je Fass. Im Vergleich zum Jahresbeginn hat die Notierung damit um mehr als zehn Prozent zugelegt. Aufgrund der durch die Wirbelstürme beeinträchtigten Nachfrage durch Raffinerien liegt der Anstieg bei WTI mit 1,5 Prozent seit Januar deutlich tiefer. Aus dem gleichen Grund waren die Zuwächse bei Raffinerie-Produkten (wie Heizöl oder Benzin) besonders hoch. Eine Fortsetzung der positiven Preisbewegung in den kommenden Wochen ist durchaus möglich.

China-Nachrichten treiben Industriemetalle

Eine weitere, zuletzt vielbeachtete Sub-Asset-Klasse sind Industriemetalle. Hier waren im Oktober Kurszuwächse auf Indexebene von 4,6 Prozent zu verzeichnen. Aluminium erreichte dabei den höchsten Stand seit fünfeinhalb Jahren und liegt nun seit Jahresanfang 26,5 Prozent im Plus. Hintergrund: Gleich mehreren Hütten in China wurde auferlegt, die Produktion bis März zu drosseln. Die betroffene Region in Nordchina leidet gerade in den Wintermonaten besonders unter Luftverschmutzung. Hier droht also möglicherweise ein Angebotsdefizit.

Marktsalden verschiedener Industriemetalle

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Quelle: Bloomberg, Marktschätzungen, Union Investment

Die größten Monatszuwächse verbuchte jedoch Nickel mit fast 18 Prozent, was zu einer Jahresperformance von 26 Prozent führte. Das Metall findet beim Bau von Batterien Verwendung. Nach dem Dieselskandal rechnen nun viele Marktteilnehmer mit dem verstärkten Bau von Elektroautos – auch wenn die tatsächlichen Produktionszahlen (wie jüngst das Beispiel Tesla zeigte) die hohen Erwartungen bislang noch nicht widerspiegeln. In diesem Jahr wird es zudem vermutlich zum dritten Mal in Folge zu einem Angebotsdefizit bei Nickel kommen.

Fundamental spricht also vieles für den Sub-Sektor. Mit Ausnahme von Kupfer dürfte bei allen maßgeblichen Industriemetallen die Marktbilanz 2018 negativ ausfallen. Allerdings sind die guten Nachrichten auch zu einem Gutteil eingepreist, schließlich liegen die diesjährigen Kurszuwächse bei allen Einzelrohstoffen oberhalb der 20-Prozent-Marke. Mit Blick auf die Preiserwartung der nächsten Wochen ist daher eher Vorsicht angeraten.

Goldilocks – nur nicht für Gold

Im Gegensatz zu den übrigen Rohstoff-Sektoren konnten die Edelmetalle zuletzt nicht zulegen. Gold trat im Oktober größtenteils auf der Stelle und verlor im Monatsvergleich 1,1 Prozent an Wert. Steigende Nominalzinsen, eine gute konjunkturelle Lage und der hohe Risikoappetit der Anleger sprechen gerade nicht für das Edelmetall. Darüber hinaus fiel die physische Nachfrage abermals schwächer aus. Die Goldimporte von China erreichten den niedrigsten Stand seit mehr als drei Jahren – wohl auch, weil die Asiaten weniger Angst vor einer Währungsabwertung haben. Aufwärts ging es hingegen abermals für Palladium. Seit Jahresbeginn beläuft sich der Zuwachs nun schon auf fast 50 Prozent. Erstmals seit 2001 ist das Metall damit wieder teurer als Platin. Auch hier spielt die Dieselproblematik eine Rolle: Palladium wird für Katalysatoren bei Benzinern verwendet, während Platin bei Dieselmotoren eingesetzt wird. Die Verschiebung in den Autoverkäufen zwischen den beiden Antriebstechniken findet also auch am Rohstoffmarkt ihren Niederschlag.

In Anbetracht des starken Konjunkturumfelds und der Aussicht auf (leicht) steigende Realrenditen einerseits sowie der nach wie vor vorhandenen, latenten geopolitischen Risiken halten sich positive und negative Faktoren die Waage. Innerhalb des Edelmetallsektors sind die Fundamentaldaten jedoch sehr unterschiedlich und die Perspektiven variieren, wie das Beispielpärchen Platin-Palladium zeigt: Während bei Platin für 2018 mit einem leichten Angebotsüberschuss zu rechnen ist, sollte der Palladiummarkt auch im kommenden Jahr von einem Defizit gekennzeichnet sein.

Klassischer Spätzykliker

In der Vergangenheit waren spätzyklische Konjunkturphasen meist gut für Rohstoffe. Auch im aktuellen Stadium spricht viel für die Asset-Klasse. Vor allem der starke makroökonomische Datenkranz lässt auf eine weiter anziehende Rohstoffnachfrage schließen. Hiervon sollten nicht nur kurz-, sondern mittelfristig positive Impulse auf die Kurse bei Energierohstoffen und Industriemetallen ausgehen. Edelmetalle profitieren zwar nicht von der wirtschaftlichen Großwetterlage, sondern sehen sich tendenziell eher leichtem Gegenwind über steigende Realrenditen ausgesetzt. Gleichzeitig behalten sie angesichts schwelender (geo-)politischer Risiken ihre Funktion als „sicherer Hafen“. Damit sollten Rohstoffe als Anlageklasse insgesamt ihre Rolle als Diversifikator im Portfoliokontext weiter erfüllen können.

(Stand: 3. November 2017)