Rohstoffe: Industriemetalle und Energie mit Luft nach oben

Das spätzyklische Konjunkturumfeld spricht für Rohstoffinvestments. Anleger sollten allerdings selektiv vorgehen. Aktuell sind insbesondere Industriemetalle und der Ölsektor interessant.

2019 dürfte es mit Rohstoffen insgesamt weiter bergauf gehen. Das hat vor allem zwei Gründe: Zum einen zählen Öl, Kupfer, Nickel und Co. historisch betrachtet zu den Profiteuren spätzyklischer Konjunkturphasen, in denen die Nachfrage das Angebot übersteigt. Zum anderen dürften die zuletzt stark belastenden geopolitischen Krisenherde etwas entschärft werden. Der Blick richtet sich dann wieder eher auf die fundamentale Marktlage und die sieht im Bereich Industriemetalle und Energie recht positiv aus.

Industriemetalle im Marktdefizit

Die Preise für Industriemetalle legten in den vergangenen Wochen deutlich zu. Erste Anzeichen einer Entspannung im Handelskonflikt zwischen den USA und China sorgten für eine verbesserte Investorenstimmung, obwohl viele Indikatoren auf eine schwächere Konjunkturentwicklung hindeuten. Hinzu kommt, dass bei nahezu allen Metallen die Nachfrage das Angebot übersteigt. Dies spiegeln die weltweiten Börsenlagerbestände wider, die 2018 deutlich zurückgegangen sind. Auch für dieses Jahr zeichnet sich insgesamt ein Nachfrageüberhang ab, zumal das Rohstoffangebot angesichts eines Mangels an neuen Minen begrenzt bleibt. Unterstützend wirkt auch, dass China im vergangenen Jahr neue Konjunkturstimuli beschlossen hat, mit denen zum Beispiel die Infrastruktur des Landes gefördert werden soll. Die ersten dieser Maßnahmen werden bereits 2019 in Angriff genommen und sollten sich ab dem zweiten Quartal 2019 in den Konjunkturdaten niederschlagen. Zudem hat die US-Notenbank Federal Reserve eine mögliche Pause im Zinserhöhungszyklus angekündigt. Man wolle datenabhängiger agieren, hieß es. Unter anderem dürfte diese geldpolitische Ausrichtung dafür sorgen, dass der US-Dollar nicht weiter aufwerten dürfte, was wiederum die Nachfrage auch nach Metallen in den Emerging Markets zusätzlich stabilisieren sollte.

Energiesektor im Aufwind

Auch für den Bereich Energie hat sich das Umfeld nach dem zweimonatigen Ausverkauf Ende des vergangenen Jahres nun wieder positiv entwickelt. Was war passiert? Unter anderem hatten Sorgen über die abflauende Konjunktur als auch Verunsicherungen wegen des Handelskonflikts zwischen den USA und China das Nachfragewachstum verringert. Hinzu kam, dass das „schwarze Gold“ auf den zwischenzeitlichen Niveaus von deutlich über 80 US-Dollar je Fass beispielsweise für einige Schwellenländer schlicht zu teuer war, was die Nachfrage ebenfalls sinken ließ. Gleichzeitig bewirkten die steigenden US-Ölfördermengen ein Mehrangebot: Die US-Rohölproduktion stieg im Jahr 2018 um zwei Millionen Barrel pro Tag an. Im Ergebnis war der Ölmarkt in der zweiten Jahreshälfte 2018 deutlich überversorgt. Alle Einflussfaktoren zusammengenommen, wurde der Ölpreis bis auf die 50-US-Dollar-Marke gedrückt.

OPEC-Kürzungen zeigen Wirkung

Um dieses Ungleichgewicht zu beheben, beschlossen die OPEC und Russland bereits Ende 2018 eine Drosselung der täglichen Fördermenge um 1,2 Millionen Barrel. Auch die US-Sanktionen der USA gegen den Iran, die Ölverkäufe auf ein Minimum zu reduzieren, führten bereits zu einer verringerten Ölproduktion. Daneben wirkten sich die niedrigeren Preisniveaus auf die Bohraktivität in den USA aus: Die Entwicklung der aktiven Bohrlöcher ist bereits seit einigen Wochen rückläufig. Laut Aussagen der amerikanischen Energiebehörde (EIA) dürfte sich die Fördermenge in den USA tendenziell weiter abschwächen. Im Ergebnis hat sich der Ölpreis seit Jahresbeginn deutlich auf etwa 60 US-Dollar erholt.

In diese Gemengelage mischten sich zuletzt Nachrichten, die den Ölpreis weiter stützen dürften: Zum einen scheint es Saudi-Arabien mit den preisstabilisierenden Maßnahmen sehr ernst zu meinen. Denn der saudische Ölminister Khalid al-Falih kündigte an, die Produktion noch stärker zurückfahren zu wollen, als im Dezember vereinbart wurde. Damit will das Königreich der Überversorgung vehement entgegenwirken. Daneben gewinnt die politische Situation in Venezuela Einfluss auf den Ölpreis: Denn die USA haben Sanktionen gegen den staatlichen Ölkonzern Petróleos de Venezuela (PDVSA) verhängt. Demnach darf Öl aus Venezuela zwar weiterhin eingekauft werden, die Zahlungen müssen allerdings auf Sperrkonten erfolgen. Damit haben die USA den Druck auf den umstrittenen Präsidenten Nicolas Maduro erhöht. Schließlich ist der Ölsektor das Rückgrat der Volkwirtschaft Venezuelas, die zu etwa 90 Prozent von den Einnahmen aus dem Öl abhängt.

Ölsektor als attraktiv eingestuft

Die Rohstoff-Experten bei Union Investment gehen davon aus, dass der Ölmarkt im Verlauf des Jahres 2019 wieder in ein Angebotsdefizit drehen sollte. Die großen Einbußen des vergangenen Jahres scheinen übertrieben, so dass der Ölpreis auf Sicht der nächsten Monate weiterhin etwas Luft nach oben hat. Solange aber die Aussicht für die Weltwirtschaft trübe und deshalb die Nachfragesituation schwach bleibt, dürfte der Preisanstieg moderat ausfallen. Auf Jahressicht dürfte der Preis für ein Fass der Sorte Brent auf etwa 70 US-Dollar ansteigen. Potenzielle Krisenherde gibt es einige, etwa in Nigeria, Libyen oder auch in Venezuela. Bricht die Ölförderung in einem dieser Länder stärker als erwartet ein, könnte das den Ölpreis weiter nach oben treiben.

Fazit

Das fundamentale Umfeld spricht für ein Investment in Rohstoffe. Insbesondere Industriemetalle und der Energiesektor werden von den Experten von Union Investment als attraktiv eingeschätzt: Denn aufgrund der OPEC-Produktionskürzungen sowie der sinkenden Bohraktivität in den USA hat sich der Ölpreis seit Jahresbeginn deutlich erholt. Der Markt sollte im Verlauf des Jahres wieder in ein Defizit drehen. Für Industriemetalle sprechen insbesondere die zuletzt gesunkenen Lagerbestände. Darüber hinaus sollte hier der Gegenwind von der Währungsseite durch einen tendenziell schwächeren US-Dollar abnehmen.

 

Stand: 25. Februar 2019