Stoppt Corona die Markterholung?

Zuletzt kam es zu deutlichen Schwankungen an den Märkten. Ist es vorbei mit der Erholungsrally? Und welche Rolle spielt dabei die aktuelle Entwicklung der Corona-Pandemie? Welche Faktoren derzeit die Märkte bestimmen.

Coronavirus im Überblick: Infektionszahlen

Tägliche Neuinfektionen je 1 Mio. Einwohner
Coronavirus im Überblick: Infektionszahlen
Quelle: Bloomberg, eigene Berechnungen. (Daten für Schweden aufgrund unzureichender Tests ggf. unzuverlässig.)

Mitte Juni kam der erste Dämpfer: Nach den steilen Kursgewinnen der vergangenen Wochen kam es an den Märkten zu deutlichen Rücksetzern. Teils waren die Tagesverluste europäischer und US-amerikanischer Indizes so hoch wie zuletzt im März.

Damals, zu Beginn der Corona-Pandemie, ging unter den Investoren die Angst vor einer sehr tiefen Rezession und einem Übergreifen der Corona-Krise von der Real- auf die Finanzwirtschaft um und die Kurse stürzten ab.

Und jetzt? Nur wenige Tage nach der Kurskorrektur im Juni drehten die Kurse wieder. Aber die ungebremste Fahrt nach oben scheint erst einmal vorbei, die Stimmung an den Märkten ist vorsichtig. Das liegt an verschiedenen Faktoren, die derzeit das Marktgeschehen beeinflussen.

Zum einen herrscht eine äußerste Sensibilität gegenüber negativer „Corona-Nachrichten“. Aus globaler Sicht steht der Höhepunkt der Corona-Krise noch aus. Das Epizentrum hat sich vor allem nach Lateinamerika, aber auch in einige andere große Schwellenländer wie Russland und Indien verschoben.

In den Industriestaaten nimmt aufgrund lokaler Ausbrüche die Gefahr einer zweiten Corona-Welle zu. Dazu gehören die wieder ansteigenden Neuinfektionszahlen vor allem in den USA, die in einigen US-Bundesstaaten mittlerweile sogar über den Höchstständen von März und April lagen. Auch in anderen Regionen, in denen das Virus eingedämmt schien, gab es wieder lokale Hot-Spots, darunter in Südkorea oder China.

Die Angst vor der weiteren Ausbreitung des Virus wird sich erst legen, wenn die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffes oder eines Medikaments zur Bekämpfung des Virus erfolgreich ist. Damit rechnen Experten frühestens ab Ende dieses Jahres. So lange dies der Fall ist, werden die Kapitalmärkte äußerst sensibel auf Neuigkeiten bezüglich des Corona-Virus reagieren.

Ein weiterer Faktor, der das Geschehen an den Märkten beeinflusst, ist die Geld- und Fiskalpolitik der Notenbanken und Regierungen. Diese haben es seit Beginn der Corona-Krise immer wieder geschafft, die nervösen Märkte mit beispiellosen Maßnahmen zu beruhigen. So verkündete etwa die US-Notenbank Fed zuletzt die Ausweitung ihres Wertpapier-Ankaufprogramms auf einzelne Unternehmensanleihen. Sie dürfte zudem vor 2022 die Zinsen nicht anheben.

Drittens reagieren Marktteilnehmer auf makroökonomische Daten. Die Lockerung der Eindämmungsmaßnahmen sorgte zuletzt für eine Erholung der weltweiten Wirtschaftsaktivität. So meldeten die USA, Europa und auch China gute Konjunkturzahlen. Das schürt die Hoffnung, dass die konjunkturelle Talsohle erreicht sein könnte – auch, wenn das Wachstum noch weit vom Vorkrisenniveau entfernt ist.

Nicht zuletzt verfolgen die Marktteilnehmer die Fortschritte der Pharmafirmen bei der Entwicklung von Impfstoffen beziehungsweise Medikamenten gegen das Corona-Virus.

Diese verschiedenen Faktoren beeinflussen derzeit das Marktgeschehen. Je nach Nachrichtenlage dürfte das Auf und Ab an den Märkten über die kommenden Monate anhalten. In einem solchen Marktumfeld zählen Schnelligkeit und Flexibilität. Hier zeigen sich die Vorteile eines aktiven Portfoliomanagements.

Insgesamt sind auch die Anlageexperten von Union Investment derzeit eher zurückhaltend und stellen sich leicht defensiv auf, weil die Unterstützungsmaßnahmen der Staaten und Notenbanken sowie die Lockerungen der Eindämmungsmaßnahmen vielerorts in den Kursen reflektiert sind.

Und auch, wenn es zwischenzeitlich positive Nachrichten gibt: Die Pandemie hält an und die Weltwirtschaft befindet sich nach wie vor in einer tiefen Rezession. Für eine nachhaltige Fortsetzung der Aufwärtsbewegung ist ein positives Marktumfeld notwendig. Vor 2022 dürfte das Vorkrisenniveau in der Wirtschaft nicht erreicht werden.

Langfristig jedoch gilt weiterhin: Der Trend an den Märkten zeigt nach oben, weil die Stützungsmaßnahmen der Staaten und Notenbanken negative Zweitrundeneffekte abmildern dürften. Und nicht zuletzt bleiben Risikoanlagen aufgrund des anhaltenden Niedrig- beziehungsweise Negativzinsumfeld unverzichtbar.

Die jüngsten Ereignisse machen deutlich, das Corona-Virus beherrscht die Märkte nicht mehr gänzlich, sorgt aber immer wieder für eine höhere Volatilität. Von konjunktureller Seite deutet vieles weltweit auf eine Stabilisierung hin. Hinzu kommt die massive Unterstützung von Seiten der Geld- und Fiskalpolitik. In der konjunkturellen Entwicklung dürfte das Vorkrisenniveau nicht vor 2022 zu erreichen sein.

Maßnahmen der Notenbanken:

Die Notenbanken der wichtigsten Währungsräume sind ein essenzieller Unterstützungsfaktor in der Coronakrise. Die Europäische Zentralbank beispielsweise kauft im Rahmen ihres PEPP-Programms Wertpapiere, etwa Staats- und Unternehmensanleihen, im Volumen von 1,35 Billionen Euro an – und stellt so Liquidität zur Verfügung.

 

Stand aller Informationen, Erläuterungen und Darstellungen:
24. Juli 2020, soweit nicht anders angegeben.