Tour durchs Silicon Valley

Markus Golinski

Markus Golinski ist seit April 2014 im Portfoliomanagement Aktien bei Union Investment tätig und neben der Analyse von Technologiewerten für zwei Wachstumsfonds verantwortlich, darunter der UniSector: HighTech.

Michael Schäfer

Michael Schäfer ist seit Juni 2015 bei Union Investment im Bereich Aktien – konzentrierte Strategien – tätig. Als Junior-Portfoliomanager ist er Teil des UniFavorit: Aktien-Fondsteams und hat einen Research-Schwerpunkt auf globalen IT-Unternehmen.

Was sind die aktuellen und neuen Trends in der Tech-Branche? Welche Unternehmen mischen vorne mit und können sich gegen ihre Wettbewerber behaupten? Mit diesen und weiteren Fragen reisten zwei Portfoliomanager von Union Investment ins Silicon Valley. Und haben eine Menge Antworten mitgebracht.

Um die besten Investmentideen zu finden, reicht es nicht, im Elfenbeinturm Bilanzen zu analysieren. Es ist essenziell, sich auf Konferenzen mit Fachpublikum auszutauschen, den Kontakt zu Unternehmensvertretern zu suchen und sich vor Ort ein Bild über die Zentrale und Produktentwicklung der Unternehmen zu machen. Deswegen verbrachten die beiden Aktien-Portfoliomanager Markus Golinski und Michael Schäfer, die die Analyse von globalen Technologiewerten verantworten, im Februar eine Woche im Silicon Valley in Kalifornien (USA). Sie nahmen zunächst an der zweieinhalbtägigen Goldman Sachs TMT Conference teil, danach folgten zahlreiche Unternehmensbesuche.

Die wesentliche Frage, die die IT-Analysten zurzeit beschäftigt, ist, wie sich die IT-Investitionen (IT-Spending) nach einem sehr starken Jahr 2018 im laufenden Jahr entwickeln wird. In den letzten Monaten haben sich die Makroindikatoren leicht abgeschwächt, während gleichzeitig die globalen Risiken - beispielsweise aufgrund des US-Handelskonflikts und des Brexits - gestiegen sind. Dennoch sehen die von uns besuchten IT-Unternehmen aktuell keine Nachfrageabschwächung. Dies gilt sowohl für den Hardware- als auch für den Software-Bereich.

KI noch in den Kinderschuhen

Die aktuell wichtigsten Trendthemen sind KI, Künstliche Intelligenz (AI, Artificial Intelligence), Cloud-Computing/Applikationen sowie das Autonome Fahren. In all diesen Bereichen sind die US-Unternehmen, insbesondere Facebook, Amazon, Microsoft und Google führend, da nur sie über die kritischen Datenmengen verfügen, um die KI „füttern“ und ständig verbessern zu können. Diese Firmen haben Zugang zu allen Arten von technischen und geografischen Informationen (zum Beispiel Google Earth), aber auch Kundendaten (siehe Facebook und Amazon). Unsere Technologie-Aktienfonds (insbesondere der UniSector: HighTech A) sind aktuell in diesen Themen vor allem über die Cloud Computing-Anbieter Microsoft, Google und Amazon investiert. Das Geschäftsfeld des Autonomen Fahrens decken wir ebenfalls über die Chip-Hersteller sowie Google mit deren Tochtergesellschaft Waymo ab.

Insgesamt steckt KI noch in den Kinderschuhen. Die Anwendungsgebiete befinden sich in einem sehr frühen Entwicklungsstadium und sind zurzeit noch auf Spezialgebiete in „geschlossenen Welten“ begrenzt. Neben qualitativ und quantitativ auskömmlichen Daten benötigt man das Know-how von auf KI spezialisierten Programmierern. Die Schnittmenge von Daten und Talenten muss also gegeben sein, um KI erfolgreich einsetzen zu können. Nur wenige Unternehmen verfügen bereits heute über diese Ressourcen.

Aktuell gehören e-Commerce-Unternehmen wie die chinesische Alibaba, aber auch Amazon, zu den KI-Pionieren. Sie entwickeln ihr Geschäftsmodell aktuell weiter, indem sie ihre Kunden von einer reinen internetbasierten Produkt-Suchfunktion (Beispiel: Ich suche ein rotes T-Shirt) immer mehr in Richtung des erlebnisorientierten Shoppens führen (Beispiel: Wir schlagen Dir Dein komplettes Outfit inklusive rotem T-Shirt vor). So hat Alibaba beispielsweise die Anwendung Tmall Luxury Pavilion für Luxusgüter entwickelt. Um die Anwenderoberfläche individuell auf die einzelnen Kunden ausrichten zu können, benötigen die Online-Händler immer mehr Daten von deren Konsumgewohnheiten und -vorlieben: Welche Filme und Serien, welche Musik, welche Bücher konsumiert die Person? Daraufhin weiß das Programm, welche Produktvorschläge es dem jeweiligen Kunden machen kann.

Neben e-Commerce-Firmen lag auch ein Fokus der Reise auf Halbleiterherstellern. Nach einer sehr schwachen Kursperformance im Jahr 2018 haben sich Halbleiterhersteller seit Anfang des laufenden Jahres überdurchschnittlich entwickelt. Es mehren sich die Anzeichen, dass der Halbleiterzyklus die Talsohle durchschritten hat und sich in der zweiten Jahreshälfte wieder spürbar beschleunigen wird. Die betreffenden Unternehmen haben uns diesen Ausblick weitgehend bestätigt. Nach ihrer Ansicht sind die strukturellen Branchentrends weiterhin intakt. In diesem Sektor sind wir in Unternehmen wie Micron, ST Microelectronics und ASML investiert.

Wolkiger Trend

Im Softwaresektor ist der Trend zur Cloud weiterhin ungebrochen. Cloud-Applikationen erfreuen sich nach wie vor einer starken Nachfrage. Hier ist insbesondere der Trend zu Open-Source (offene Quellcodes und standardisierte Software) und zur Anwendung von KI zu erkennen. Die Unternehmen spüren den Druck zu Innovationen. Kundenbindung wird in diesem Bereich immer wichtiger, da die Gefahr der Abwanderung zu Wettbewerbern aufgrund der Standardisierung recht hoch ist.

Chancen bei Zahlungsdienstleistern

Ein weiteres interessantes Geschäftsfeld ist der Zahlungsverkehr (Payment). Hier ist schon seit einiger Zeit eine Verschiebung von „Cash to Card“, also von Bargeld- zu Kartenzahlung, aber auch in Richtung digitaler Bezahlsysteme zu beobachten. Hauptprofiteure dieses Trends sind unvermindert die Netzwerke VISA und Mastercard, aber auch die Merchant Acquirer (Zahlungsdienstleister) sowie Paypal. Inzwischen wollen immer mehr Anbieter, beispielsweise Apple, in dieses Zukunftsthema einsteigen.

Die Videospiel-Entwickler (Publisher) scheinen nach dem schwachen Vorjahr, das vom Spiel Fortnite geprägt war, dank neuer Spiele wie Apex Legends oder Anthem wieder etwas an Boden zu gewinnen. In diesem Zusammenhang ist vor allem Electronic Arts zu nennen. Wir haben Electronic Arts in deren Niederlassung in San Francisco besucht. Der Gaming-Bereich bleibt durch die strukturellen Trends weg von physischen hin zu digitalen Käufen sowie künftig hin zu Cloud-Streaming interessant. Die Aktien aus dem Sektor sind jedoch sehr schwankungsanfällig, sodass wir uns mit Investitionen aktuell eher zurückhalten.

Mit Blick auf die Robotikbranche haben wir im Rahmen der Bustour ebenfalls Intuitive Surgical, den weltweit führenden Hersteller von Robotern für chirurgische Anwendungen besucht. Dieser ist führend in der Automatisierung von minimal-invasiven Eingriffen. So hat das Uniklinikum Frankfurt erst kürzlich das Hauptprodukt von Intuitive Surgical, Da Vinci, erworben.

Fazit

Der Technologiesektor ist sehr vielfältig und umfasst viele verschiedene Anwendungsgebiete, die sich auch in verschiedenen Phasen des Branchenzyklus befinden. Entsprechend sinnvoll ist es für uns als Portfoliomanager, breit in verschiedene Branchen und Firmen zu investieren. Wir wollen vor allem diejenigen Unternehmen identifizieren, die von strukturellen Trends unterstützt werden. Auffällig ist, dass gegenwärtig vor allem die großen, etablierten Tech-Konzerne die innovativen Bereiche Künstliche Intelligenz (KI), Autonomes Fahren und Cloud Computing vorantreiben. Denn sie verfügen über die notwendigen finanziellen Mittel und personellen Ressourcen, um die Forschung und Entwicklung in den neuen Technologien darstellen zu können. Daher profitieren die Fondsanleger sozusagen doppelt. Zum einen von der hohen Ertragskraft der traditionellen Geschäftsfelder von Amazon, Google, Microsoft und Co., gleichzeitig aber auch von deren erfolgversprechenden Zukunftsfeldern. Denn es ist offensichtlich, dass sich die neuen Industrien, insbesondere die Künstliche Intelligenz, noch in den Kinderschuhen befinden.

 

Stand aller Informationen, Erläuterungen und Darstellungen:
21. März 2019, soweit nicht anders angegeben.