US-Wirtschaft mit Anzeichen einer Stabilisierung

(Stand: 7. Juli 2017)
Mit Erleichterung haben Marktteilnehmer auf die in der zurückliegenden Handelswoche veröffentlichten US-Konjunkturdaten reagiert. Nachdem eine Reihe wichtiger US-Früh- und nachlaufender Indikatoren zuletzt hinter den Markterwartungen zurückgeblieben waren, haben die Juni-Werte der vom Institute for Supply Management (ISM) ermittelten Einkaufsmanagerindizes in der vergangenen Woche einen Teil der zuletzt eher schlechteren Entwicklung wieder wettgemacht.

ISM-Index überrascht positiv

Der am Montag veröffentlichte Index für das Verarbeitende Gewerbe kletterte im Juni auf 57,8 Punkte und damit auf das höchste Niveau seit knapp drei Jahren (Vormonat 54,9). Im Vorfeld befragte Experten hatten einen Stand von 55,2 Zählern erwartet. Dabei war der Zuwachs breit angelegt: Sowohl die Produktions- (+5,3 auf 62,4) als auch die Auftragskomponente (+4,0 auf 63,5) legten kräftig zu. Der Index für den Dienstleistungssektor, der am Donnerstag veröffentlicht wurde, rundete das freundliche Bild ab. Das Barometer legte im Juni von 56,9 auf 57,4 Punkte zu und kletterte damit auf ein neues Zweijahreshoch. Der Zuwachs bei den Dienstleistern wurde vor allem von der Auftragsentwicklung getragen, die um 2,8 auf 60,5 Zähler zulegte. Der positive Trend spiegelt sich auch im Union Investment Frühindikator ULI wider. Nachdem das Barometer in den zurückliegenden Wochen auf eine abnehmende US-Wachstumsdynamik hindeutete, zeigen sich nun erste Zeichen einer Stabilisierung.

Entwicklung der US-Einkaufsmanagerindizes

ISM-Einkaufsmanagerindizes 2017

Abnehmende Wachstumsdynamik nach anfänglicher Trump-Euphorie

Die überraschend guten Daten kommen zu einem Zeitpunkt, an dem sich unter Investoren zunehmend Sorgen um die Verfassung der US-Konjunktur breit gemacht haben. Bereits zum Anfang des Jahres zeigte die Wirtschaft in den USA erste Hinweise einer Schwäche. Die größte Volkswirtschaft der Welt wuchs im ersten Quartal 2017 lediglich um annualisiert 1,4 Prozent. Gleichzeitig legten die Frühindikatoren jedoch spürbar zu. Der Grund: Investoren zeigten sich nach dem überraschenden Wahlsieg Donald Trumps zunehmend optimistisch, dass die im Wahlkampf angekündigten Konjunktur- und Ausgabenpakete zu einer spürbaren Belebung der Wirtschaft führen werden. Doch da nach wie vor nicht klar ist, wie die Wirtschaftspolitik der Trump-Administration konkret aussehen wird, ebbte die Euphorie im weiteren Jahresverlauf wieder etwas ab und die Einkaufsmanagerindizes gingen zurück. Es wird noch einige Zeit vergehen, bis aus der Wirtschaftspolitik der US-Regierung greifbare Wachstumsimpulse entstehen – wenn überhaupt mit solchen zu rechnen ist.

Ohnehin scheinen die Erwartungen an umfassende Konjunktur- und Infrastrukturprogramme auch in den jüngsten Datenpunkten zunehmend ausgepreist zu werden. Vielmehr bewegt sich die US-Wirtschaft in ihrem spätzyklischen Stadium eher in einem Autopilot-Modus. Auf dem Arbeitsmarkt herrscht nahezu Vollbeschäftigung, die Produktionskapazitäten sind so gut wie ausgelastet. Die aktuelle Schwäche des US-Dollar, vor allem aber die anhaltende, synchrone globale Konjunkturerholung spielen der US-Wirtschaft in die Karten. Die letzten Datenpunkte der ISM-Einkaufsmanagerindizes deuten darauf hin, dass die US-Wirtschaft im zweiten Quartal annualisiert um knapp drei Prozent zulegen könnte. Auf Jahressicht rechnen wir mit einem BIP-Wachstum von 1,8 Prozent – eine stabile, im historischen Vergleich nach wie vor solide Wachstumsdynamik.

Auch Fed sieht US-Konjunktur auf Kurs

Das bestätigt auch die US-Notenbank Fed: Die Wirtschaft habe sich nach der Abkühlung im ersten Quartal erholt. Deshalb hoben die US-Währungshüter auf ihrer Juni-Sitzung den Leitzins zum vierten Mal in diesem Zyklus um 25 Basispunkte auf 1,0 bis 1,25 Prozent an. Die Entscheidung war vom Gros der Investoren in dieser Form erwartet worden und führte deshalb kaum zu Aufsehen an den Märkten.

Gleichzeitig kündigte Fed-Chefin Janet Yellen aber auch an, bald mit dem Abbau der Notenbank-Bilanz beginnen zu wollen. Aktuell hält die Fed Anleihen im Gegenwert von rund 4,5 Billionen US-Dollar in den Büchern. Zinszahlungen und Fälligkeiten werden den Beständen wieder zugeführt. Eine Änderung dieser Reinvestitionspolitik käme – je nach Ausmaß und Umfang der Anpassung – in der Wirkung einer Leitzinserhöhung gleich. Entsprechend groß ist die Angst, die Fed könne mit einem allzu offensiven Vorgehen die Finanzmärkte überfordern.

Notenbank-Mitglieder geteilter Meinung über Geldpolitik

Dass sich die Mitglieder des Offenmarktausschusses (FOMC) selbst uneins über den weiteren geldpolitischen Kurs sind, geht aus dem Protokoll der Juni-Sitzung hervor, das in der zurückliegenden Woche veröffentlicht worden ist. Augenscheinlich ist das FOMC derzeit in zwei Lager gespalten: Das eine Lager, zu der auch Fed-Chefin Yellen gehört, betont die Risiken einer zu expansiven Geldpolitik und möchte deshalb den behutsamen Zinserhöhungspfad weiter verfolgen und noch in diesem Jahr mit dem Bilanzabbau beginnen. Das andere Lager befürchtet, dass die Fed zu früh auf die geldpolitische Bremse getreten ist – vor allem mit Blick auf die Inflationsentwicklung.

Ihren Zinsschritt im Juni hatte die Fed mehr oder weniger ausschließlich mit der guten Entwicklung am Arbeitsmarkt begründet und die Inflationsdaten außen vor gelassen. Im Mai verzeichnete der US-Arbeitsmarkt einen Stellenzuwachs von (revidiert) 152.000 neuen Stellen. Der positive Trend setzte sich im Juni mit einem Job-Plus von 222.000 fort. Die Entwicklung der Inflationsrate hat sich hingegen ein gutes Stück vom Zielbereich der Notenbank entfernt: Nachdem die Teuerung im Februar 2017 auf 2,2 Prozent geklettert war, ging die Rate in den darauf folgenden Monaten sukzessive auf zuletzt 1,7 Prozent zurück. Das Problem: Bei der vorhandenen Wirtschaftslage müsste es eigentlich zu mehr Inflation kommen – und genau diese Bedenken haben offensichtlich auch einige FOMC-Mitglieder. Sie haben sich auf der Juni-Sitzung der Notenbank dafür ausgesprochen, dass die Fed die Inflation ruhig eine Weile über die Zwei-Prozent-Marke anspringen lassen soll, bevor eine weitere Straffung der Geldpolitik erfolgt.

US-Stellenzuwachs (non-farm payrolls)

US-Stellenzuwachs 2017

Umsetzung des angepeilten Straffungskurses erschwert

Die Uneinigkeit im Offenmarktausschuss dürfte es Janet Yellen erschweren, den anvisierten Straffungskurs fortzusetzen. In jedem Fall ist es fraglich, ob die Währungshüter noch in diesem Jahr – wie ursprünglich von Yellen intendiert – mit dem Bilanzabbau beginnen werden.

Wir rechnen mit einem behutsamen Straffungspfad und erwarten im September 2017 noch eine weitere Zinserhöhung durch die US-Notenbank. Im kommenden Jahr sehen wir drei bis vier Schritte als realistisch an – unter dem Vorbehalt, dass aus Trumps Lager zu diesem Zeitpunkt konjunkturstimulierende Maßnahmen verabschiedet worden sind. Ob die Notenbank noch in diesem Jahr Änderungen an ihrer Reinvestitionspolitik beschließen wird, bleibt abzuwarten. Die US-Wirtschaft steht zwar auf soliden, aber wackeligen Füßen. Mit einer Aufschiebung des Bilanzabbaus könnte sich die Fed noch etwas Zeit zur Beobachtung der ökonomische Aktivität und die Inflationsentwicklung erkaufen. Ein nächster Fingerzeig ist am 25. und 26. Juli zu erwarten – dann treffen sich die Währungshüter zu ihrer nächsten regulären Sitzung.