Wiederbelebung des Reflation-Trades durch Trumps Steuerpläne

Vergangene Woche legte US-Präsident Donald Trump erneut ein Steuerkonzept vor: „Tax Reform – More Jobs, Fairer Taxes, Bigger Paychecks: Unified Framework For Fixing Our Broken Tax Code“. Wenngleich das immerhin achtseitige Rahmenkonzept vielversprechend klingt, repräsentiert der aktuelle Vorstoß der Trump-Administration nicht mehr einen Vorschlag zur Reform des amerikanischen Einkommens- und Körperschaftssteuersystems.

Dies ist zwar inhaltlich mehr als das bereits im Sommer dieses Jahres vorgelegte Papier zum Umbau des US-Steuersystems. Allerdings ist dieser Rahmenplan noch weit von einem fertigen Gesetzentwurf entfernt.

Nichtsdestotrotz haben die letzten Steuerpläne des US-Präsidenten in den vergangenen Tagen zu einem Wiederaufkeimen des sogenannten „Reflation Trades“ geführt, der bereits im Nachgang des Wahlerfolgs von Donald Trump im November 2016 für mehrere Wochen zu beobachten war. Die vorrangigsten Elemente eines solchen „Reflation Trades“ sind hierbei ein Anstieg der Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen, eine Aufwertung des US-Dollar sowie die Outperformance von zyklischen Aktien, Value-Titeln und US-Small Caps. Ein detaillierter Blick auf das aktuelle Rahmenkonzept ist daher unerlässlich, um festzustellen, ob die aktuellen Handelsmuster einer „Reflationierung“ an den Kapitalmärkten von Dauer sein werden.

Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihe

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Quelle: Thomson Reuters, Stand 28. September 2017

Kernelemente der aktuellen Steuerpläne der Trump-Administration

Die aktuellen Steuerpläne sehen teilweise deutliche Anpassungen bei der Einkommenssteuer, der Körperschaftssteuer, der Besteuerung von Personengesellschaften und der Repatriierung von im Ausland gehaltener Liquidität von US-Unternehmen vor. Mit Blick auf die Einkommenssteuer ist die Einführung von lediglich drei Steuerklassen in Höhe von 35 Prozent, 25 Prozent und 12 Prozent vorgesehen, sodass der Spitzensteuersatz von aktuell 39,5 Prozent abgesenkt und die Anzahl der aktuell sieben Steuerklassen reduziert würden. Der Entwurf behält sich die Option vor, eine vierte Steuerklasse für Spitzenverdiener einzuführen, ohne einen konkreten Steuersatz zu nennen. Die offizielle US-Körperschaftssteuer soll von gegenwärtig 35 Prozent auf 20 Prozent zurückgeführt werden, um den steuerlichen Wettbewerbsnachteil der USA auf internationaler Ebene abzuschaffen. Der durchschnittliche Steuersatz auf Unternehmensgewinne in der OECD liegt bei rund 22,5 Prozent.

Unternehmenssteuersätze im internationalen Vergleich

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Quelle: OECD, Stand 28. September 2017

Der Steuersatz für kleine Personengesellschaften soll einheitlich auf 25 Prozent festgelegt werden und somit deutlich unter den aktuellen Einkommensspitzensteuersatz von 39,5 Prozent fallen. Abschließend sollen für international tätige Konzerne das aktuelle „Offshoring“-Modell abgeschafft werden, welches im Rahmen des in den USA bislang angewandten Weltsteuersystems für international tätige Unternehmen Anreize schafft, im Ausland erzielte Gewinne außerhalb der USA zu horten. Gleichzeitig soll ein reduzierter Steuersatz auf repatriierte, in früheren Jahren erzielte Gewinne aus dem Ausland eingeführt werden, wenngleich in dem aktuellen Konzept keine konkrete Zahl genannt wird. In vorherigen Steuerplänen der Trump-Administration wurde jedoch ein Steuersatz von 10 Prozent aufgeführt, der auf bis zu 2,5 Billionen US-Dollar an im Ausland geparkter Liquidität von US-Konzernen Anwendung finden könnte. Die sogenannte „Border Adjustment Tax“ findet keinerlei Erwähnung mehr, die zu einer wesentlichen Verbreiterung der Bemessungsgrundlage geführt und somit die Aufkommensneutralität weitgehend gesichert hätte. Die Komplexität und die potenziell spürbaren Verschiebungen der Steuerbelastung zwischen national und international ausgerichteten Geschäftsmodellen der US-Unternehmen scheinen nicht mehrheitsfähig zu sein.

Bewertung der Steuerpläne aufgrund vieler ungeklärter Punkte schwierig

Steuersenkungen für Privatpersonen und den Unternehmenssektor werden häufig und gerne von politischen Entscheidungsträgern in Aussicht gestellt, sodass sich das aktuelle Steuerkonzept der Trump-Administration auf den ersten Blick erneut vielversprechend anhört. So scheint die Einführung der drei Steuerklassen auf der Einkommenssteuerseite auf den ersten Blick zu einer Entlastung der US-Bürger und zu einer Vereinfachung des Steuersystems zu führen. Allerdings bleibt völlig offen, ab welchen Einkommensschwellen die Steuerklassen angewandt werden sollen, sodass eine Berechnung der gesamten Steuerentlastung nahezu unmöglich ist. Auch lässt die Einführung eines einheitlichen Steuersatzes von 25 Prozent auf kleine Personengesellschaften die Frage offen, was als persönliches Einkommen und was als Einkommen aus Unternehmertätigkeit gewertet wird.

Viele Punkte bleiben ungeklärt, weshalb eine umfassende Einschätzung der Steuerpläne schwierig ist. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass das Gesamtpaket zu einer jährlichen Nettosteuerentlastung von rund 600 Milliarden US-Dollar führen könnte. Dies entspricht rund 2 bis 3 Prozent des US-amerikanischen Bruttoinlandsprodukts.

Fazit

Die (wirtschafts-)politische Agenda der Trump-Administration wurde im bisherigen Jahresverlauf an den Kapitalmärkten nahezu vollständig ausgepreist – und somit auch der „Reflation-Trade“. Mit der Veröffentlichung des Steuerkonzepts hat sich die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Umsetzung der Steuerreform nun wieder erhöht, mit entsprechenden Auswirkungen an den internationalen Börsen.

Der momentan auf dem Tisch liegende Steuerplan von Donald Trump dürfte allerfrühestens im Frühjahr 2018 in Kraft treten. Gleichzeitig bleibt es nach wie vor äußerst fraglich, ob der US-Präsident überhaupt die erforderliche Mehrheit für eine spürbare Steuerentlastung bekommen wird. Dies bedeutet allerdings nicht automatisch, dass der zuletzt wiederaufkeimende Reflation-Trade beendet sein muss. Der sich fortsetzende synchrone Konjunkturaufschwung auf globaler Ebene in Verbindung mit einer tendenziell „hawkishen“ US-Notenbank Fed könnte – auch ohne Trump – mittelfristig zu einer Fortsetzung des Reflation-Trades an den weltweiten Kapitalmärkten führen.

(Stand: 29. September 2017)