Zentralbanken im vorweihnachtlichen Sitzungsstress

Alle wollen sie noch einmal – und so gab es selten eine Woche, in der der Zentralbankkalender so gut gefüllt war, wie in der vergangenen Woche.

Federal Reserve erhöht wie erwartet die Zinsen

Zunächst stand die Sitzung der US-Notenbank mit dem Zinsentscheid am vergangenen Mittwochabend im Fokus, zumal dies die letzte unter dem Vorsitz von Janet Yellen war. Wie allgemein erwartet, hob die Federal Reserve (Fed) ihren Leitzinskorridor um weitere 25 Basispunkte auf 1,25 bis 1,5 Prozent an. Die Entscheidung wurde bei zwei Gegenstimmen getroffen. In ihrer Kommunikation machte die Fed deutlich, dass sie vor dem Hintergrund der erwarteten gesamtwirtschaftlichen Entwicklung weitere Erhöhungen des Leitzinses als angemessen erachtet. Diese finden parallel zu einem vorab festgelegten und seit Oktober begonnenen Prozess des beschleunigten Bilanzabbaus statt. Gemäß ihrer quartalsweisen Projektionen hält das Mittel der Fed-Mitglieder im Jahresverlauf 2018 drei weitere Leitzinsanhebungen auf eine Bandbreite von 2,0 bis 2,25 Prozent für angemessen. Dies hat sich gegenüber den Projektionen aus dem September nicht verändert und entspricht auch weiterhin dem Basisszenario von Union Investment. Allerdings liegen die aus Terminkontrakten abgeleiteten Markterwartungen, die etwas weniger als zwei Zinsschritte für das kommende Jahr einpreisen, noch immer deutlich darunter. Die im Jahresverlauf 2017 verhaltenen (Kern-)Inflationdaten haben in der US-Notenbank durchaus Kontroversen über die Fortsetzung des Straffungskurses ausgelöst. Entsprechend will die Fed im Weiteren die Preisentwicklung auch schwerpunktmäßig unter Beobachtung nehmen. Yellen wies darauf hin, dass aus ihrer Sicht der US-Arbeitsmarkt nahe einer Vollbeschäftigungssituation sei – gleichzeitig der Leitzins aber weder stimulierend noch dämpfend wirke. Die gesamtwirtschaftlichen Projektionen wurden auf einen höheren Wachstumspfad angepasst, wohl auch wegen der zu erwartenden Steuersenkungen. So prognostizieren die Fed-Mitglieder nun für das kommende Jahr einen Anstieg des BIP von 2,5 Prozent (statt 2,1), 2,1 Prozent für 2019 (statt 2,0) und 2,0 Prozent für 2020 (statt 1,8). Die Inflationseinschätzungen blieben dagegen unverändert.

Fed erhöht die BIP-Wachstumsprognosen für die USA…

Fed erhöht die BIP-Wachstumsprognosen für die USA…
Quelle: Federal Reserve. Stand: 14. Dezember 2017.

…ebenso wie die EZB für die Eurozone

…ebenso wie die EZB für die Eurozone
Quelle: Europäische Zentralbank. Stand: 14. Dezember 2017.

EZB behält geldpolitische Ausrichtung bei

Die Europäische Zentralbank (EZB) beschloss erneut keine Veränderung der relevanten Zinssätze. Der Einlagenzins bleibt bei -40 Basispunkten, der Hauptrefinanzierungssatz bei 0 Basispunkten und der Spitzenrefinanzierungssatz bei 25 Basispunkten. Darüber hinaus wies die Notenbank darauf hin, dass sie das Anleihekaufprogramm (APP) bis zu einem nachhaltigen Anstieg der Inflationsraten aufrechterhalten werde und im Falle einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Bedingungen bereitstünde, das Kaufprogramm in Bezug auf Größe und Dauer auszuweiten. Die Leitzinsen würden darüber hinaus auch lange nach Ende des Programms unverändert bleiben. Bezüglich dessen zukünftiger Ausgestaltung scheint sich die Notenbank aber ganz bewusst nicht festzulegen, um sich zukünftig faktisch alle Optionen offenzulassen. Insbesondere der Umgang mit den EZB-Ankäufen von Unternehmensanleihen (CSPP) ist damit noch immer unklar und könnte nach Ansicht von Union Investment in diesem Marktsegment im Jahr 2018 zu erhöhter Unsicherheit führen.

Wie die Federal Reserve erhöhte die EZB ihre Wachstumsprognosen, und zwar von 2,2 auf 2,4 Prozent für 2017, von 1,8 auf 2,3 Prozent für 2018 und von 1,7 auf 1,9 Prozent für 2019. Dieser Schritt wurde mit dem nach wie vor intakten und breit angelegten wirtschaftliche Aufschwung begründet. Die spürbare Verbesserung des Wachstumsausblicks stärke nach Ansicht der EZB auch die Hoffnung auf einen Anstieg der Inflationsraten. Allerdings müsse sich dies erst noch bewahrheiten, weshalb weiterhin eine sehr akkommodierende Ausrichtung der Geldpolitik notwendig sei. In diesem Zusammenhang überrascht die nur moderate Korrektur der Inflationsprognosen für 2018 von 1,2 auf 1,4 Prozent nicht, die ausschließlich aufgrund von gestiegenen Energie- und Lebensmittelpreisen erfolgte. Insgesamt erwartet die EZB, dass die Inflationsdynamik aufgrund von Basiseffekten zunächst schwächer ausfällt, sich dann aber graduell beschleunigen sollte. Nach Einschätzung von Union Investment könnten die gute Wachstumsdynamik und die Überhitzungsgefahren speziell in Deutschland die EZB perspektivisch unter zunehmenden Druck setzen, von der bisherigen Kommunikation abzuweichen, die Zinserhöhungen vor Sommer 2019 faktisch ausschließt.

Keine Zinsänderungen im übrigen Europa

In Großbritannien hat die Bank of England (BoE) in einem einstimmigen Votum erwartungsgemäß die Leitzinsen ebenfalls unverändert beibehalten. Sie prognostiziert aber für die kommenden Jahre einen graduell steigenden Leitzinspfad. Mit Blick auf die Inflation ist dieser nachvollziehbar, wird doch die deutliche Abwertung des britischen Pfunds das Inflationsprofil deutlich nach oben verschieben. Dennoch bleibt im Umfeld der weiter ungelösten Brexit-Diskussionen und deren wirtschaftlichen Folgen aber offen, wann die BoE mit diesen Zinsanhebungen beginnen kann. Ähnlich wie in der Phase 2010 bis 2012 könnte ihr ein Stagflationsszenario ins Haus stehen, das für sie einen erheblichen Zielkonflikt impliziert.

Auch die Schweizer Nationalbank (SNB) hat den Leitzins unverändert bei -0,75 Prozent belassen. Sie bekräftigte ihre Aktivität im Währungsmarkt, falls dies notwendig wäre. Wie ihre Pendants im Euroraum und den USA hob auch die SNB ihre Wachstumsprognose für die Schweiz für 2018 an, und zwar von 1,8 auf 2,0 Prozent. Auch die Inflation sieht sie aufgrund höherer Ölpreise und einem schwächeren Schweizer Franken im kommenden Jahr 30 Basispunkte höher als bisher, mit 0,7 Prozent aber immer noch auf einem sehr niedrigen Niveau. Erst in den Folgejahren sollten die Konsumentenpreise deutlicher anziehen. Daher dürfte die SNB erstmals Ende 2018 beziehungsweise Anfang 2019 die Zinsen in diesem Zyklus erhöhen.

Auf ein vergleichbares Timing im Hinblick auf die Leitzinsanhebungen deuten die Aussagen der Norges Bank in Norwegen hin. Auch sonst ähnelten sich die Ausführungen: Keine Änderung des Leitzins (weiterhin bei 0,5 Prozent), Wachstumsprognose der Festlandswirtschaft (ohne die schwankungsintensive Offshore-Ölproduktion) für 2018 um 0,3 Prozentpunkte auf 2,3 Prozent ebenso angehoben wie die Inflationserwartung für 2018 (von 1,3 auf 1,9 Prozent). Wie in der Schweiz sind für letztere höhere Energiepreise und die schwache Währung verantwortlich. Dadurch hat sie auch den Zinspfad nach oben geschoben.

PBoC erhöht Zinsen für Offenmarktgeschäfte

Nach dem Zinsentscheid der Federal Reserve erhöhte die People´s Bank of China (PBoC) die Zinsen um jeweils fünf Basispunkte sowohl für ihre sieben- und 28-tägigen Offenmarktgeschäfte (reverse repos auf 2,5 bzw. 2,8 Prozent) wie auch für die Standing Lending Facility (laufzeitabhängig auf 3,35, 3,5 beziehungsweise 3,85 Prozent) und die einjährige Medium-term Lending Facility (auf 3,25 Prozent). Nach Aussagen der chinesischen Notenbank spiegelt dies die höhere Nachfrage nach Liquidität wider und ist eine „normale Reaktion“ auf eine US-Zinserhöhung. Darüber hinaus wies sie darauf hin, dass sie gerne die Lücke zwischen den Offenmarktzinsen und den (höheren) Zinsen am Markt geschlossen sehen möchte.

Auch in anderen Emerging Markets trafen sich in den vergangenen Tagen die Notenbanker zum letzten Zinsentscheid im Jahr 2017. So erhöhte die türkische Zentralbank zum wiederholten Male die Leitzinsen um 50 Basispunkte auf nunmehr 12,75 Prozent. Die Marktteilnehmer hatten jedoch einen größeren Schritt um 100 Basispunkte erwartet, sodass deren Enttäuschung kurzzeitig die Türkische Lira unter Druck brachte. Ebenfalls eine Zinserhöhung, allerdings nur um 25 Basispunkte, beschloss die mexikanische Notenbank. Hingegen ließen die Zentralbanken Chiles, Indonesiens, Kolumbiens, Perus und der Philippinen die jeweiligen Leitzinsen unverändert.

Bank of Japan beschließt den Reigen

Auch in dieser Woche stehen noch einige geldpolitische Entscheidungen an. Dabei dürften vor allem die Sitzungen der Bank of Japan am Mittwoch und Donnerstag sowie der schwedischen Riksbank im Mittelpunkt stehen. In Europa treffen sich darüber hinaus noch die Notenbanker in Tschechien und Ungarn. Wesentliche Überraschungen für die Märkte sind aber auch in dieser Woche nicht zu erwarten.

Stand: 15. Dezember 2017