Auf der Jagd nach Gewinnen

Benjardin Gärtner

Beitrag von Benjardin Gärtner

Leiter Portfoliomanagement Aktien 

Die globale Konjunktur lahmt, die wichtigsten Frühindikatoren trüben sich ein. Volkswirte weltweit senken die Wachstumsprognosen für die wichtigste Wirtschaftsräume. Nun ist unlängst auch noch die US-Zinskurve invertiert, die kurzfristigen Zinsen lagen also höher als die langfristigen – in der Vergangenheit war das oftmals ein zuverlässiger Indikator für eine Rezession in den kommenden Monaten bis Jahren.

Kein Zweifel: Die Wirtschaftsnachrichten sprechen aktuell eher für eine trübe Stimmung als für Zuversicht oder gar Ausgelassenheit an den Börsen. Sicherlich gibt es für Aktieninvestoren angenehmere Zeiten. Mittlerweile gehen die Analysten nicht mehr davon aus, dass die globalen Konzerne im laufenden Jahr in der Lage sein werden, nennenswerte Gewinnsteigerungen zu erwirtschaften. Vielmehr deutet vieles auf Stagnation hin. So weit, so durchwachsen. Umso bemerkenswerter ist es, dass die Aktienkurse, nicht nur, aber vor allem in den USA, diese Schlagzeilen abschütteln und nach einer kurzen Verschnaufpause oder Korrektur wieder steigen.

Warum ist das so? Wenn die Gewinne der Unternehmen nicht mehr steigen, dann muss man sich zweierlei vor Augen führen: Erstens handelt es sich in der Regel um aggregierte Zahlen, also um die Addition der Gewinne aller Unternehmen. Und zweitens: Auch wenn die Gewinne in Summe nicht mehr steigen – sie schrumpfen bislang ja auch nicht, sondern bleiben stabil.

Sie bleiben – und das ist noch wichtiger – nicht bei allen Gesellschaften stabil. Bei vielen wachsen sie auch, und zwar beträchtlich. Die Rezessionsangst mag viele Marktakteure erfasst haben, die Kunden von Walmart und Estee Lauder (um nur zwei zu nennen) gehören ausweislich der jüngsten Quartalszahlen definitiv nicht dazu. Es gibt noch mehr als genug Konzerne, die ihr Geschäft und ihre Profite erfolgreich ausbauen.

Steigen die Gewinne, steigen die Kurse

Es ist eine Binsenweisheit, aber man kann sie nicht oft genug wiederholen: Am Ende folgen die Kurse immer den Gewinnen. Steigen die Gewinne, steigen die Notierungen. Erfolg an der Börse hat, wer diese Gewinnentwicklung am besten vorhersagen kann – und zwar nicht in Summe, sondern für einzelne Unternehmen. Diese schlichte Wahrheit mag in Trumps Twittersturm und den düsteren Wirtschaftszahlen manchmal verloren gehen. Aber das Gros der Nachrichten kann man getrost ausblenden. Wichtig sind die Schlagzeilen, die einen Trendwechsel andeuten, etwa wenn eine Nachricht mehr abbildet als nur einen neuen politischen Wasserstand, sondern handfeste Folgen für die Unternehmenswelt hat. Wenn sie ein Signal für etwas fundamental Neues ist und nicht das Hintergrundrauschen in einer medial überdrehten Welt. Wer das Signal erkennt, kann daraus ableiten, was es für die Verteilung der globalen Gewinnpools bedeutet.

Das gilt umso mehr, da wir in einer Phase des Umbruchs leben. Der Klimawandel ist zweifellos die zentrale Herausforderung unserer Zeit. Sie zu meistern, ist eine Kraftanstrengung. Der Klimawandel bietet aber auch immense Chancen. Denn Investitionen und Gewinne werden in den kommenden Jahren von CO2-intensiven Unternehmen abfließen und emissionsärmeren Alternativen zur Verfügung stehen. Rund um die Themenbereiche Klimaschutz und Energieeffizienz sind in den vergangenen Jahren brillante Geschäftsmodelle entstanden und es ist nicht absehbar, dass dieser Trend bricht. Nicht alle werden profitabel sein, aber die besten unter ihnen werden den Unternehmen der alten Welt gleichermaßen die Gewinne und die Investoren streitig machen – und sich an der Börse behaupten.

Gerade aus diesem Grund ist es essenziell, die fundamentale und an Zahlen orientierte Wertpapieranalyse mit Expertenwissen rund um das Thema Nachhaltigkeit zu verzahnen. Nur so können emissionsarme Alternativen zu alten Technologien auf Herz, Nieren, vor allem aber auch auf ihre Zukunftsfähigkeit hin überprüft werden.

Für Aktieninvestoren, die ihr Handwerk verstehen, sind schwierige Zeiten oft gute Zeiten. Denn jetzt lassen sich die guten Geschäftsmodelle vergleichsweise günstig einkaufen, wenn nach einer schlechten Nachricht die Kurse mal wieder für ein paar Tage in die Knie gehen. Dazu bedarf es einer fundierten Expertise und mitunter auch mal eines guten Bauchgefühls, das man sich über die Jahre am Kapitalmarkt angeeignet hat. Das ist der Schlüssel zum Erfolg.

 

Stand aller Informationen und Darstellungen:
11. September 2019, soweit nicht anders angegeben.