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Droht eine Zombifizierung des Unternehmenssektors?

Wenn Totgesagte länger leben

Wenn Unternehmen über einen längeren Zeitraum unrentabel arbeiten und dennoch im Markt bleiben, kann dies der Volkswirtschaft schaden. Wie verbreitet ist dieses Phänomen der sogenannten Zombifizierung und welche Rolle spielt die Corona-Pandemie dabei?

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Droht eine Zombifizierung des Unternehmenssektors?

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Etwas mehr als ein Jahr ist vergangen, seit die Weltgesundheitsorganisation den Ausbruch des Corona-Virus zu einer weltweiten Pandemie erklärte. Viele Regierungen versuchten die Ausbreitung des Virus durch das Herunterfahren des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens zu verhindern. Die Folge war eine tiefe Rezession. Beispielsweise schrumpfte die Wirtschaftsleistung im Euroraum im Jahr 2020 um fast sieben Prozent. Zugleich legte die Arbeitslosigkeit in vielen Ländern zu.

In der Krise büßten zahlreiche Unternehmen an Umsatz ein, in manchen Branchen fielen die Erlöse sogar fast auf null. Dennoch ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen zuletzt sogar deutlich zurückgegangen, was untypisch für Wirtschaftskrisen ist. Ein Grund dafür sind die umfangreichen staatlichen Stützungsmaßnahmen: Viele Staaten versuchen, in der Krise gegenzusteuern, etwa durch Kreditgarantien, direkte Hilfen oder Lockerungen des Insolvenzrechts. In diesem Zusammenhang wird häufig das Risiko einer „Zombifizierung“ der Unternehmenswelt genannt und vor den möglichen Folgen gewarnt.

In der ökonomischen Diskussion werden Unternehmen als Zombies bezeichnet, wenn sie über einen längeren Zeitraum unrentabel wirtschaften und dennoch nicht den Markt verlassen. Erstmals wurde das Phänomen der Zombifizierung in Japan beschrieben und gilt als eine der Ursachen für die Phase der wirtschaftlichen Stagnation der 1990er Jahre.

Schon vor der Corona-Pandemie lautete ein häufig von Kritikern der ultralockeren Geldpolitik genanntes Argument, dass die sehr niedrigen Zinsen der Zombifizierung Vorschub geleistet hätten. Nach dieser Lesart gab es bereits vor der Krise eine Gruppe von Zombie-Unternehmen, die durch die Pandemie nun noch größer werden könnte.

Vor diesem Hintergrund geht das vorliegende durchGEDACHT dem Phänomen der Zombifizierung in der Unternehmenswelt auf den Grund. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Frage, wie viele Zombie-Unternehmen es gibt, die bereits vor der Krise mit strukturellen Problemen zu kämpfen hatten und ob deren Überleben durch die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen möglicherweise künstlich verlängert wurde. Eine Auswertung von 5.200 börsennotierten Unternehmen zeigt das Ausmaß der Zombifizierung in den USA und im Euroraum.

In unserer Studie beschäftigen wir uns konkret mit folgenden Fragestellungen:

  • Was macht ein Zombie-Unternehmen aus?

  • Wie verbreitet ist das Phänomen der Zombifizierung in den USA und im Euroraum?

  • Welche Branchen sind besonders betroffen?

  • Sind die Erfahrungen aus dem japanischen Beispiel auf die USA und den Euroraum übertragbar, was die volkswirtschaftlichen Effekte betrifft?