Japan: zwischen Auf- und Gegenwind

(Stand: 3. Februar 2017)
• Förderländer setzen Großteil der Produktionsbegrenzung im Januar um
• Mittelfristige Einhaltung der Vereinbarung fraglich
• US-Schieferölindustrie kehrt mit Macht in den Markt zurück
• Rohöl-Lagerbestände nach wie vor auf Rekordniveaus
• Erwartetes Angebotsdefizit in Kursen bereits eingepreist
• Spürbarer Anstieg der Rohölpreise in der zurückliegenden Handelswoche

Noch vor Jahresfrist notierte ein Barrel Rohöl der Sorte Brent bei rund 28 US-Dollar. Seitdem hat sich der Preis mehr als verdoppelt. Allein in der zurückliegenden Woche verteuerte sich das schwarze Gold um 3,1 Prozent auf rund 57 US-Dollar. Für die weitere Preisentwicklung dürften drei Faktoren eine wesentliche Rolle spielen: 1. Die Einhaltung der Vereinbarung der OPEC-Staaten und weiterer Förderländer über die Begrenzung ihrer Förderleistung. 2. Die Wiederaufnahme der Produktion der US-Schieferölproduzenten. 3. Die Entwicklung der Rohöllagerbestände.

Großteil der Produktionsbegrenzung im Januar umgesetzt

Noch vor gut einer Woche herrschte große Skepsis, ob sich der Irak, Saudi-Arabien und andere wichtige Förderländer tatsächlich an die seit 1. Januar 2017 geltende Produktionsbegrenzung halten. Die Staaten hatten sich nach zähem Ringen Ende November auf eine Deckelung der Förderleistung einigen können. Ab 2017 soll die tägliche Fördermenge um 1,2 auf 32,5 Millionen Barrel Rohöl pro Tag gekürzt werden. Zwar liegen seit Inkrafttreten noch keine belastbaren Produktionsdaten vor. Allerdings scheinen die Staaten einer Umfrage des Nachrichtendienstleisters Reuters zufolge im Januar rund 82 Prozent der angepeilten Drosselung umgesetzt zu haben.

Der Großteil der Kürzung geht dabei auf das Konto Saudi-Arabiens. Der mit Abstand größte Ölproduzent der OPEC, der mit einer Ausweitung oder Kürzung seiner Produktion bei geringer Kostenausweitung die Gesamtbilanz der OPEC entsprechend einfach und deutlich beeinflussen kann (sogenannter Swing Producer), hat die geforderte Drosselung mit 116 Prozent übererfüllt. Unter dem Strich hat der Golfstaat damit alleine gut 60 Prozent der realisierten Förderbegrenzung von 958.000 Barrel Rohöl pro Tag geschultert. Zum Vergleich: Ursprünglich hätte Saudi-Arabien lediglich 40 Prozent zur geplanten Drosselung beitragen sollen. Zieht man Saudi-Arabiens Verbündete Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Katar hinzu, geht der überwiegende Teil der Produktionskappung auf das Konto der Golfstaaten (realisiert: 82 Prozent; geplant: 68 Prozent). Algerien und Venezuela haben lediglich 18 Prozent der angepeilten Kürzung realisieren können. Noch schwerer wiegt die Förderkürzung des Irak, dem zweitgrößten Ölproduzent der OPEC, der rund ein Viertel der avisierten Kürzung umgesetzt hat.

Mittelfristige Einhaltung der Vereinbarung fraglich

Zwar gibt die Reuters-Umfrage nur einen Einblick in den ersten Produktionsmonat seit Inkrafttreten der Vereinbarung. Die Förderstaaten haben sich im November dafür ausgesprochen, die Produktion nicht auf fixer monatlicher Basis, sondern im Mittel des ersten Halbjahres 2017 um die geforderten Volumina zu kürzen. Allerdings gewähren die Daten auch einen Einblick in die Regeltreue und den Zusammenhalt der OPEC als Ganzes. Denn die deutliche Förderkürzung von Saudi-Arabien und Kuwait überdecken das mangelnde Bekenntnis der verbleibenden OPEC-Staaten, die in Summe gerade einmal 28 Prozent der Kürzung auf sich vereinen konnten. Ob diese Länder in den kommenden Monaten noch weitreichendere Kürzungen herbeiführen werden, um am Ende des Halbjahres das im Durchschnitt geforderte Kürzungsniveau erreichen zu können, darf als unwahrscheinlich gelten. Aus historischer Perspektive wäre eine Erfüllungsquote im Bereich von 80% ein Erfolg.

Begrenzung Öl-Produktion
Quelle: Reuters, Stand: 3. Februar 2017

US-Schieferölindustrie in Lauerstellung

Allzu viel Euphorie ist auch angesichts jüngster Daten aus der US-Schieferölindustrie nicht angeraten. Denn nachdem die Notierungen sich seit Dezember über der 50 US-Dollar-Marke halten können, kann die Mehrzahl der US-Unternehmen wieder kostendeckend produzieren. Viele der zuvor stillgelegten Fracking-Bohrlöcher könnten in den kommenden Monaten wieder aktiviert werden. Bereits jetzt haben einige Unternehmen ihren Betrieb wieder aufgenommen. Nach Angaben des Ölindustrie-Dienstleister Baker Hughes ist die Zahl der aktiven Förderstellen bis Ende Januar auf 566 gestiegen. Allein im laufenden Jahr 2017 haben 41 Ölförderanlagen den Betrieb wieder aufgenommen. Damit hat die US-Ölproduktion zwischenzeitlich wieder das Niveau von 2014 erreicht. Mit der Amtsübernahme des neuen US-Präsidenten Donald Trump ist ein neuer Unsicherheitsfaktor für die Rohölmärkte hinzugekommen. Als eine seiner ersten Amtshandlungen hat Trump ein Dekret erlassen, das den Bau der von Obama gestoppten Keystone XL-Pipeline ermöglicht. Nach deren Fertigstellung könnten täglich mehr als 800.000 Barell Rohöl aus kanadischen Ölsandfeldern an den wichtigen US-Lagerstandort in Cushing (Oklahoma) geliefert werden. Der Bau der Pipeline würde die Transportkosten für Rohöl signifikant senken. Vieles spricht also dafür, dass eine höhere Produktion in den USA die Förderkürzung der OPEC zumindest zum Teil wieder aufwiegen wird.

Auch die Entwicklung der Lagerbestände dürfte vorerst weiter Einfluss auf die Preisentwicklung am Rohölmarkt nehmen. Daten des American Petroleum Institute (API) zufolge, das auf wöchentlicher Basis Schätzungen zu den Rohöllagerbeständen in den größten Lägern der USA veröffentlicht, verzeichnete der Rohölmarkt bis September 2016 einen deutlichen Aufbau der Lagerbestände. Danach verlangsamte sich der Aufbau. Für einen nachhaltigen Anstieg der Ölnotierungen über das aktuelle Niveau hinaus ist jedoch ein Abbau der Lagerbestände erforderlich.

Energie: Ölmarkt auf dem Weg ins Defizit; Lagerbestände müssen erst abgearbeitet werden

Ölmarkt: Angebot-Nachfrage
Ölmarkt: Angebot-Nachfrage
Quelle: IEA, Bloomberg, Union Investment, Stand: 16. Januar 2017

Insgesamt sollte es am Ölmarkt zu einer leichten Angebotsausweitung 2017 kommen. Gleichzeitig dürfte die globale Ölnachfrage aufgrund einer anziehenden Wachstumsdynamik und einer anhaltend robusten Nachfrage aus den Schwellenländern etwas stärker ansteigen. Wir rechnen mit einem globalen Nachfragewachstum von rund 1,2 Millionen Barrel pro Tag. Daher sollte die Nachfrage das Angebot am Ölmarkt spätestens im dritten Quartal 2017 erstmals seit über drei Jahren wieder übersteigen. Unter dem Strich gehen wir aber davon aus, dass sich das erwartete globale Angebotsdefizit in den aktuellen Notierungen bereits widerspiegelt. Wir behalten daher unsere aktuelle Preisprognose von durchschnittlich 55 US-Dollar pro Barrel Rohöl der Sorte Brent vorerst weiter bei. Aus unserer Sicht sind die Preisrisiken jedoch eher aufwärts gerichtet. Wichtig zu beobachten wird sein, ob sich die politischen Spannungen zwischen den USA und dem Iran weiter verschärfen.